Destillate 3

Ein schwarzes Buch liegt herum. Ich nehme es zur Hand. Erntemond. Also dann. Ernten.

31.03.26
„Das Unfertige ist dennoch nicht unvollkommen, sondern symbolisiert die Möglichkeit des Werdens.“ Cezanne

02.04.26
Und trotzdem Gründonnerstag, der Urgrund bleibt, der sich nach oben fortsetzt, durchdringt, sich durchsetzt. Fühle mich berührbar.

Karfreitag die dornige Rose zurückgeschnitten. Dem Leiden Jesu gedacht. Verblasste Erinnerungen. Zur Seite geneigte Köpfe, ein gekreuzigter aus Holz geschnitzt.

05.04.26
Karsamstag verbringe ich mit Osterhasen backen und Eier färben. Es ist eine Frühlings- und Fruchtbarkeitsorgie, all die Hasen, die aus meinen Händen schlüpfen.
Lumen Christi. Deo Gracias. Feuer am See. Menschen, die österlichen Klängen in sich selbst nachlauschen.

07.04.26
Mich bereit für eine andere Dimension zu machen, heißt in Antworten hinein zu leben, die es jetzt noch nicht gibt.

17.04.26
Zwischendurch Blütenschnee.
Ja so ist es, so ein langer Weg bis zur Selbstliebe. Und das Nervensystem hat dann ohnehin noch eine ganz eigene Geschichte.

03.05.26
Zeit mit meinen Kindern zu verbringen macht mich glücklich.

10.05.26
Großfamilientreffen. Familie ist ein faszinierendes Gebilde.

11.05.26
Ich stelle mir vor, ich säße noch in der Abendstimmung auf der Terrasse. Die Sonne senkt sich in den verschleierten Abendhimmel und ich sehe die Pappeln, die immer noch wie Spitzen auf dem Rücken eines Drachens über all die anderen bäume in den Gärten in den Himmel ragen. Diese Dachterrasse fühlt sich an wie meine Lebensgeschichte, wie mein Nest, wie der Ort, an dem ich in mich hineinwuchs, wurde, Frau wurde, der Ort meiner Schmerzen und meiner Sehnsüchte, der Ort, an dem ich trotz Lichtverschmutzung den Sternen im Himmel nah war.

Geben als Widerstandspraxis. Widerstand gegen eigene Mindsets, die biographisch, transgenerativ oder auch kulturell begründet sind. Das betrifft auch den Umgang mit Zeit und Geld. Das braucht eine tägliche Ausrichtung, eine tägliche Praxis, eine tägliche Entscheidung. Ermutigung, Modelle Verbundenheit.

16.05.26
In ziehenden Wolken stehen und einen Moment Blau mit Sonnenstrahlen auf Schnee geschenkt bekommen.

18.05.26
…was ich doch für ein reiches Leben habe.
– aber wer hat schon was verdient?
Überfluss – was fließt über in meinem Leben?

27.05.26
Prepare to share
prepare to be a resource
prepare those things that meet the unmet needs on a higher lever of human beingness
invisible processes are going on
there is enough to share
real abundance is when you feel free to share
feel free to be generous that is abundance
CHARLES EISENSTEIN

29.05.26
mir auch erlauben mit meiner Überforderung und Hilflosigkeit fühlbar zu werden

30.05.26
Sitze im Rauschen an der Urnäsch. Wohliges Bad im Fließen und Strömen. Bin in die Erde gesunken und habe mich erneuert.

02.06.26
ich feiere meine morgendlichen Bäder im See. Was für ein großartiges Lebensgefühl. Zwei Morgende immerhin.

03.06.26
Anything you do not give freely and abundantly becomes lost to you. You open your safe and find ashes.
How we spend our days is how we spend our lives.
ANNIE DILLARD

08.06.26
Text zu Geben als Widerstandspraxis schreiben.

19.06.26
Das kühle Seewasser – NOCH!- rettet mich durch die in der Stadt stehende Hitze 34 Grad.

Die ganze kommende Woche wird es hier 34 bis 35 Grad heiß werden. Wie die Klimaveränderungen auf die Welt einwirken.

20.06.26
Dritter Tag der Hitzewelle. Der See immer noch erfrischend kühl. Der Lavendel sitzt voller weißer Schmetterlinge. Sitze in einem wilden Blumenstrauß. Margeriten, Lilien, Rosen, das Mutterkraut am Verblühen. Und gelbe Nachtkerzen. Es sind bestimmt 10 Schmetterlinge auf dem Lavendel.

22.06.26 4am
Helle Nächte, ich bilde mir ein, ich sehe schon die Kraft des anbrechenden Tages im Osten, das Blau, welches sich heller verfärbt, die Kraft, die mich nicht schlafen lässt.

26.06.26
Dieser Sommer schenkt Hitzewellen. 36 Grad gestern, fast schon ein vertrautes Gefühl durch eine in den Straßen stehende Heißluft zu radeln. Dankbar für das Wasser – voller Mitgefühl für die Natur, die tapfer lechzt und trotzdem ihre Üppigkeit großzügig verbreitet.

28.06.26
Ja die Hitze schafft mich auch. Sie befördert mich in einen Ausnahmezustand, der mir aber irgendwie taugt, zusammen mit dem verstopften Ohr, schallgedämpft, lässt sie mich deutlicher in meinem Kopf leben.
In der Dämmerung kommen die Gedichte.

Letzter Tag der Hitzewelle – vorerst mal eine Verschnaufpause.

30.06.26
Deutschland im ersten k.o. Spiel aus der WM rausgeflogen.

Ich freue mich für Paraguay und Marokko. Leidenschaft und Rückhaltlosigkeit werden belohnt. Lade auch noch mehr Leidenschaft und Rückhaltlosigkeit in mein Leben. Wieviel Mut es braucht, um etwas zu wagen, ohne die Sicherheit erfolgreich zu sein. Aber was heißt schon Erfolg.

08.07.26
Wollte mich auch noch dem Jamwochenende widmen (ein Treffen um Kontaktimprovisation zu tanzen). War sehr berührend zu spüren, wieviel Jam-Geschichte ich in Konstanz mitgeschrieben habe und wie sehr ich mich trotz meines Contact Überdrusses der letzten Jahre zugehörig fühle – wie viele Menschen mein Leben über die Jam-Ereignisse hinaus berührt haben. 30 Jahre bewege ich mich in dieser Welt.
Und wie dankbar ich bin für meine Freunde vor Ort.

10.07.26
Hitzewelle zwei ist herangerollt.

13.07.26
„Lege Deine Worte in die Mulde meines Schweigens“ Ingeborg Bachmann

Gestern ist David Steindl-Rast 100 Jahre alt geworden, der sagt: „Das Haus, in dem wir letztlich alle gemeinsam zuhause sind, ist das menschliche Herz“ und „Schau, was notwendig ist und setze es in die Tat um“.

14.07.26
Gestern im Film JEMAND, DER ICH EINMAL WAR über Ingeborg Bachmann. Wirklich Beeindruckend. Wahnsinn, was so ein Körper wegstecken kann an Medikamenten und Alkohol.

21.07.26
DAS SICH AUSBREITENDE GLÜCK UNBÄNDIGER LEBENSKRAFT
hat Franzisca auf einer Karte für uns gezogen. Wie diese Worte unsere ZAZ Konzerterfahrung auf den Punkt bringen, es breitet sich in uns aus, in unseren sich in den Tag hineinräkelnden Bewegungen und ins Morgenschwimmen hinein.

05.08.26
Wieviel Angst und Sorgen in meinem System veranlagt sind. Kein Wunder, was meine Eltern alles schon durchgemacht haben als Kriegskinder.

08.08.26
Es war ein richtiges Erntefest heute, Zucchini, Fenchel, Kartoffel, Frühlingszwiebel, alles aus dem Garten samt Kräutern und ab in die Pfanne.

11.08.26
Verlangsamung. Meine Continuum Movement Tauchgänge bringen mich an Orte, an denen ich mich gebäre und loslasse. Ich mache die Erfahrung, wie sehr gebären und loslassen zusammengehört.

28.08.26
Time Out. Magen-Darm. Krank. Mit Pepper im Bett liegen. Anne Carson zu entdecken – wieder zu entdecken – zu schlafen und nichts tun zu müssen. Mich entspannen in die Langsamkeit des krank seins.

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