03.10.2025

Tag der deutschen Einheit und ich bin in der Schweiz. Nein, geflüchtet bin ich nicht, jedenfalls nicht vor dem Tag der deutschen Einheit – oder vielleicht doch?
Auf jeden Fall hat es mich gewundert, dass am Morgen, noch zu Hause, noch an der Grenze, an der ich ja wohne, im Bayrischen Rundfunk eine Sendung über HIP HOP kam und nur am Rande der Nachrichten überhaupt die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit erwähnt wurden.
Meine Tochter nimmt gerade die deutsch-deutsche Geschichte in der Abiturvorbereitungsklasse durch. Sie las mir ihre Karikatur Interpretation vor, drei Zeichnungen mit Momentaufnahmen von 1955 – 1965 – 1975. In der Mitte die wachsende Mauer und links und rechts die jeweiligen Politfunktionäre, einmal mit Hammer und Sicher, einmal mit Bundesadler. Dicker geworden sind sie auf beiden Seiten der Mauer. An Details erinnere ich mich nicht mehr.

Aber daran, wie es war, eine Deutsche zu sein in Afrika Ende der 80ger Jahre, eine Deutsche, deren Eltern noch im Krieg waren, eine Deutsche, die deutsche Geschichte auf internationalen Camps vermittelt über eigene Familiengeschichten, eine Deutsche, die mit ihrem deutsch sein gerungen hat und eine Begegnungswoche mit Jüdinnen und Juden mitgestaltet hat, eine Deutsche, die überrascht ist, hier und jetzt in der Schweiz, dass sich dieses Deutsch sein einmal mehr unerwartet zum Thema macht, obwohl es doch gar kein Thema mehr in meinem Leben ist, oder doch?

Vorhin bekam ich eine Nachricht von Liliana per WhatsApp, ob alles in Ordnung wäre, weil ich mich nicht auf ihre Nachricht vor einem Monat gemeldet hätte. Mit Liliana bin ich befreundet seit der Stolpersteinverlegung vor unserem Haus. Sie war aus Argentinien angereist. Ihr Vater lebte in der Wohnung, in der wir jetzt leben. Er floh als Jude in letzter Minute nach Argentinien, bevor sein Weg ins Konzentrationslager und in den Tod geführt hätte. Ich hörte mir ihre Nachricht nochmal an und sah mir auch den Instagram Clip von Sarah Maria Sander an, den sie mir mit gesandt hatte. Die in Berlin lebende junge deutsche Jüdin spricht davon, wie ihre jüdische Identität untrennbar mit Israel verbunden ist und der Hass der Hamas derselbe Hass sei, der das jüdische Volk während der Schoa fast ausgelöscht hätte. Liliana schreibt, wie sehr ihr die junge Frau aus der Seele spricht.
Ich spüre das Unbehagen, das Unbehagen Deutsche zu sein und eine andere Haltung zu haben, was die Kriegsführung in Nahost angeht und gleichzeitig bin ich unendlich traurig, weil ich die Retraumatisierung auch bei Liliana komplett nachvollziehen kann. Ich bin voller Mitgefühl, weil ich ohnehin nur erahnen kann, was es heißt, Nachfahrin von Überlebenden des Holocaust zu sein. Und das Leid und die Verzweiflung der im Gazastreifen lebenden Palästinensern fließt ebenso in dieses traurig Sein hinein.
Ich fühle mich herausgefordert in unserer Freundschaft, spare die Konfrontation aus. In Freundschaften tun sich unerwartet Gräben auf, weil die Welt plötzlich eine andere ist, die etwas auslöst, was Menschen verändert. Sie beziehen Positionen, die keinen oder kaum noch Spielraum kennen. Ich erinnere mich schmerzlich an die Zeit während der Pandemie.
Die Blätter am Apfelbaum färben sich gelb. Wie gut sie geschmeckt haben im Frühsommer, die Klaräpfel vor dem Haus. Der Blick nach draußen schenkt mir eine Verschnaufpause. Also nehme ich meine Geschichte ohnehin immer mit, unbemerkt, unsichtbar, auch hierher ins Otto-Bruderer Haus, wo ich, wenn ich mich nach rechts neige, den Blick auf die Säntisspitze erhasche.
Der Naturphilosoph Andreas Weger hat mal geschrieben, wenn wir traurig sind, aufgrund den Ereignissen in der Welt und nicht das eigene Schicksal betreffend, dann wäre das ja eine Trauer der Verbundenheit, die uns gleichzeitig trösten könnte. Weil Verbundenheit auch glücklich macht. Weil gerade werde ich sie nicht los, die traurigen Gefühle über die Auswirkungen der unmenschlichen Kriege in den Leben von Menschen wie ich, von den Hassgräben und den sich oftmals vergeblich anfühlenden Versuchen, versöhnlich unterwegs zu sein.

Liliana und mir traue ich es zu, liebevoll und behutsam in Verbindung zu bleiben. Den Deutschen möchte ich gerne zutrauen, mehr Bewusstsein für die Tiefenwirkung auch ihrer deutsch-deutschen Geschichte zu entwickeln, was immer da an Verständnis am Horizont aufscheinen mag. Ich werde später die Nachricht von Liliana anhören, die sie mir während des Schreibens aufgesprochen hat.
Um am Tag der Deutschen Einheit eine Deutsche zu sein, das ist umfassend, komplex und groß! Ich gebe mein Bestes.

03.10.2025

Destillate 2

Mich durch mich durchlesen.
Ein wenig herausgreifen.

06.04.25
Sonntag.
Wie die Tage ihre Formate verlieren. Sonntag mit Kirchgang gehört in ein anderes Leben, aber auch in diese Lebenslandschaft, die sich so weitreichend wandelt.

19.04.25
Gestern mein Buch WIDERFAHRNIS von Bodo Kirchhoff zu Ende gelesen. Doch keine Sätze herausgeschrieben. Heute habe ich es einer alten Dame zum Geburtstag geschenkt, die am Nachbartisch ihren Geburtstag feierte. „Es war ein außerordentlich berührendes Buch“, so habe ich es ihr übergeben. Sie hat sich sehr gefreut.

Hoch leben die Königinnen, die zugleich Druidinnen sind.
(wie Anna, eine Gemahlin August der Starken, die mir in Dresden begegnete)

21.04.25
OSTERMONTAG
(auf dem Malerweg in der sächsischen Schweiz)
Diese vor Jahrmillionen sich am Meeresgrund gebildeten Sandsteingeschöpfe, mit ihren Krötenmäulern, ihren Häuptlingsnasen, ihren Trollköpfen. Mal hat die Erosion ihnen Ringelröcke angezogen, manch mal muten sie an wie eine oxidierte Bronzefigur, überzogen mit einem Flechtenschleier, dann wieder warmes Ocker, Löcher, die von Vögeln bewohnt werden. Gestalten, die sich neigen, Bögen, die einander gefunden und ein Felsentor geworden, Teufelsschluchten. Und Menschen, die nicht müde sind, stählerne Leitern und Treppen in ihre Leiber zu hauen, um auf ihnen herum zu klettern wie die Liliputaner auf Gulliver. Auf den Schrammsteinköpfen staune ich, dass es keine Befestigung gibt und jeder der wollte, sich senkrecht in die Tiefe stürzen könnte. Ich drehe mich weg, wenn Menschen ihre Schritte Richtung Felskante schieben, atme tief, mein Herz schlägt schnell. Als der Kamm wieder breiter wird, wird es leichter.

Dazwischen Birkenwälder, sich auffaltende Buchenblätter, Kiefern, deren Stämme in einem dunkleren Ton, tiefer gekerbt, prägnant mitten drin stehen. Zu meinem Erstaunen wachsen die Bäume an der senkrechten Felswand, sobald die Wurzeln einen Vorsprung finden oder sprießen wie Haare auf den Felslandschaften.
Ich werde ein Birkenfan, liebe diese helle Rinde, die kleinen runden Blätter und erkläre die Birke zu meinem Lieblingsbaum.
Immer wieder Schlachtfelder von umgestürzten vertrockneten, teils gefällten Fichten, die wie Mahnmale in den Himmel ragen, mit ihren kahlen Ästen, bevor sich die Stämme kreuz und quer über die Hänge verteilen. Krank haben sie Signale gesendet, die die Borkenkäfer verstanden. Sie kamen mit ihren Freunden zum Abschiedsschmaus. Sind sie gestorben, wird Sauerstoff frei, wenn sie verrotten dürfen. So entsteht fruchtbarer Boden für Tiere und Pflanzen. Auf den Tafeln des Hohensteiner Naturlehrpfades lese ich, dass sich die Mischwälder wieder ihren Lebensraum nehmen, wenn wir sie nur lassen. Hier sieht es ganz danach aus.

23.04.25
Von heute bleibt die Weite, Löwenzahngelb und Rapsgelb, Umwege und Abkürzungen.

28.04.25
Auf der Zugfahrt von den 12 Stunden sicher 8 Stunden Robin Wall Kimmerer getankt (Auf spotify liest Eva Mattes das Buch „Geflochtenes Süßgras“) und ihr Mantra ist in mich übergegangen. Die ehrenhafte Ernte, immer auf Austausch bedacht, nicht nur die Grundhaltung der tiefen Dankbarkeit kultivieren, sondern auch meinen Teil zurückzugeben an das Leben, die lebensspendende Natur, die mich mit allem, was ich brauche, versorgt. Und es kommt mir so natürlich vor, dass die Natur mich liebt, mehr noch als ich sie zu lieben imstande bin. Es ist heilsam, diese indigenen Grundhaltungen aufzusaugen, die auch in meinen Wurzeln stecken. „Nimm nur, was Dir geschenkt wird“ achte auf die Zeichen der Natur, ehre und respektiere sie.

NIMM NUR, WAS DIR GESCHENKT WIRD.

05.05.25
Gärprozesse brauchen Zeit, die richtige Mischung aus Zuwendung und die Zeit wirken lassen.
Das ist Kunst. Lebenskunst.
Gärprozesse beim Brotbacken. Bis der Teig blasen wirft, die kleine Menge an Sauerteigkultur seine Wirkung entfaltet. Eine kleine Menge kann eine große Wirkung entfalten. Keine großen Gesten, sondern Zeit. Reifezeit. Wärme und Luft. Reifezeit. Sonne und Schatten.

08.06.25
PFINGSTSONNTAG

Der heilige Geist kommt mit dem Wind. Fegt und bläst, wie es sich gehört, den schweren Weihrauch aus den Kirchengemäuern. Die 800 Jahre alten Glasmosaike im Kölner Dom funkeln in den zwischendurch aufscheinenden Strahlen. Die Gerhard Richter Quadrate auch. Drei Betende gefallen mir. Der wahrhaftig Gegenwärtige. Der verstorben Versteinerte. Die aufsteigend ins Nichts greifenden Engel auch.

27.06.25
Beeren direkt vom Strauch in den noch leeren Magen und ein morgendliches Bad im See.

29.06.25
33 Grad und der Sommer ist erst 8 Tage alt. Herumliegen im Hitzekoma. Den Gartenschlauch im Tomatendschungel liegen lassen. Die Tomaten werden sich satt trinken.

Hebe meinen Kopf. Entschwebe. Ziehe bei den Meisen ein, die nach ihren ersten Flugversuchen so viel sicherer geworden sind.

30.06.25
Sitze auf dem weißen Klappstuhl mit Armlehnen, nach hinten gelehnt, sehe die Fliegen in der Luft tanzen. Die Schweißperlen stehen nicht nur oberhalb meiner Lippe, sie stehen überall, würden sie nicht von jedem noch so luftigen Stückchen Stoff abgetupft.
ich im Garten
mit lindgrünen Fußnägeln
weitem Sommerkleid
kupferfarbenen leuchtendem Haar
ich und immer noch
tanzen die Fliegen
hängen die Blütenblätter
an den Rosen wie Fetzen
Blutstropfen
lasse die schwüle Sommerluft
stehen im Hitzebad
Dieselgeruch
vom Zollhof flirrt zu mir
herüber

Destillate

Verdampfte und durch Abkühlung wieder verflüssigte und folglich hier lesbar gewordene Traumfetzen, Sätze, Gedanken, Mitschriften.
Dazu Aufnahmen, die in dem Zeitraum entstanden sind, aber nicht unmittelbar zu den Texten gehören.

Die Entschlossenheit, dieses Format endlich umzusetzen, bekomme ich durch den poetry newsletter von Barbara-Marie Hofmann Notiz dieser Tage. So wunderbar. Unbedingt abnonnieren.

07.02.25
Meine Tochter krank. Könnte noch einen Text übers krank sein schreiben.
Bin immer etwas mit krank.

10.02.25
Umräumen heißt auch erstmal Abschied nehmen.

13.02.25
Lese INDIGENIALITÄT.

18.02.25
Schöpfe mich ins Volle/ständig lebendig geflochten in die Zukunft/in den Baum mit meinen Haaren/kein Wunder ein Wunder/braucht Zuwendung täglich neu

19.02.25
Jede hat ihr eigenes Gepäck.

21.02.25
Mein Kopf beschäftigt mit der Verletzlichkeit des unterwegs seins.

22.02.25
Ich warte darauf, dass sich die Hose dunkel färbt.

23.02.25
Letters from Love. Elizabeth Gilbert. I write my Letter from Love.

Erzähle mir etwas über Dich und Intuition.

24.02.25
Der Stein hat uns nicht getroffen.

Die AfD hat über 20% der Stimmen.

Mein Handy macht keine Fotos mehr.

28.02.25
Wünsche mir wirkliche Großzügigkeit beim unterwegs sein.

03.03.25
Nothing can substitute Rest
CHARLES EISENSTEIN

05.03.25
Vor 20 Jahren hatte ich gerade Wehen.

Der Zug fährt am Zuger See entlang, auf dem anderen Ufer die schneebedeckten Berge in der Morgensonne, was für eine Idylle während Europa glaubt, Aufrüstung sei die einzige Möglichkeit, eigene Werte zu schützen.

Der Reif, der uns in den Morgenstunden noch auf den Wiesen begleitet hat, geschmolzen.

06.03.25

Morgenröte und Motorenlärm. Mailand.

07.03.25

In der aufgehenden Sonne neben meiner schlafenden Tochter.

Solitude Sometimes
herausfallen
hineinfallen
arme beine finger zehen
unentbehrlich

08.03.25

Was ich von herausragenden Persönlichkeiten wie Elio Fiorucci und Ettore Sottsass mitnehme, ist die uneingeschränkte Bejahung des eigenen schöpferischen Seins.


Es braucht das fraglose Fragen, das leidenschaftliche Setzen eigener Schritte, ohne sich um Zustimmung zu scheren, es braucht den zwingenden heiteren Drang…

Es ist Nahrung.

14.03.25
Der Fokus liegt wohl auf dem heilsamen Schreiben.

15.03.25
Ruhe im Zwischenraum. Schlafende Menschen.


Liege in einem fremden Bett. Über das Liegen in fremden Betten.

16.03.25
Sitze ungewollt gegen die Fahrtrichtung.
Improvisation als Kunst.

Was tun, wenn es keine Rezepte gibt. Vielleicht sollte ich darüber nochmal einen Essay schreiben.

17.03.25
Mich schon wieder vom Weg abbringen lassen.

Wer weiß, wofür es gut ist, mich mit den Adlern zu verbinden.

21.03.25
Scheine werfen ihre Schatten voraus.

22.03.25
Fluchtwege synchron.

Wie lange

wie lange das meer in meinen ohren
wie lange ich still bin
wie lange es her ist
wie lange ich hier bin
mein nicht wissen schwimmt oben

rauschen und lauschen
sich brechen und spritzen

wie lange es dauert
wie es sich fortsetzt
unmerklich

wie lange die reise
an den anfang
wenn ich eine geschichte
vom ende her verstehen will

so lange die füße
im nackten sand

wellen die alles
davon tragen
verzeihend
gnadenlos
ohne sich um unterschiede
zu kümmern

wie lange eine austernfischer
auf einem bein
stehen kann

wie lange ich da bin
wo
ein fenster himmel malt
mit wolken
die sich weiß
im wasser spiegeln

wellenlang

die Schreibende malt

Meine Beine schmerzen, aber ich es sind nur noch wenige Kilometer. 4 Tage sind wir gewandert auf dem Heaphy Track, jeden Tag tat sich eine neue faszinierende Landschaft auf. Es war unglaublich. Die letzte lange 24 km Etappe schaffe ich auch noch. Während ich meinen Schritten lausche, kommen mir Bilder. Ich sehe mich, wie ich auf alten Landkarten male. Als wären alte Landkarten Pläne, um Schätze zu finden. Dafür brauche ich Platz, ein Atelier. Und auch wenn wir völlig abgeschieden wohnen, sehe ich mich in einem großen Atelier, in das ich mit dem Fahrrad komme.

Am nächsten Tag erzähle ich Dave davon, der zweifelt, ob ich ein Atelier in Purakaunui auftun werde. Dafür hält er auf dem Rückweg gleich in seinem Lieblings-Secondhandbuchladen, um nach alten Landkarten Ausschau zu halten. Die alten Landkarten sind kostbar. Jedenfalls kosten sie ihren Preis.

„So what. Go for it. Nimm Dich ernst“. Ich muss mir Mut zusprechen, um der Zweiflerin den Wind aus den Segeln zu nehmen.

„An Eingebungen mangelt es dir ja nie, du willst viel zu viel wenn der Tag lang ist, da brauchst du nicht jeder hergelaufenen Eingebung zu folgen“, höre ich meine Zweiflerin fast panisch auf mich einreden. Ich wähle Landkarten, überwiegend Meer, Land nur jeweils in einer Ecke und einen alten Schulatlas, vielleicht aus den 60gern. In diesem Buchladen in Lyttleton ist das ein guter Anfang. Es folgen noch etliche weitere Buchläden und weitere Karten.
Zu meiner Eingebung gehört auch, auf den Landkarten mit Epoxidharz zu arbeiten. Epoxidharz, das Dinge konserviert. Ich will etwas von diesen Karten bewahren. Etwas von dem, was da gedruckt und festgehalten wurde. Geht es ums bewahren, wenn sich doch alles wandelt? Karten, auf die keiner mehr schaut und die dennoch kostbar sind. In mir will etwas Ausdruck finden, was ich noch nicht benennen kann. Ist es mein Versuch, die Welt, wie sie ist zu feiern, auch wenn Wasserspiegel steigen und Küstenbesiedlungen gefährdet sind? Oder ist es pure Nostalgie? Oder will ich die Menschen um Hingabe an diese weise, berührende Natur anflehen, den allergrößten Schatz überhaupt, den ich gefährdet und kraftvoll spüre?

Dave schlägt vor, eine E-Mail in den lokalen Verteiler zu setzen mit meiner Frage nach einem Atelier. Das Leben ist auf meiner Seite, es gibt genau den Ort, wie ich mir keinen besseren hätte erträumen können. Davon habe ich im Blogbeitrag it matters geschrieben. Deshalb kann es hier weiter gehen mit einer Einkaufsliste. Acrylfarben, Tusche, Tinte, Pinsel, Pasten, Pappteller, Pappbecher, Plastikhandschuhe, Cutter, Klebeband und Harz und Holzplatten und Leim, steht auf einer Papiertüte mit Filzschreiber.

Mitre 10 heißt der Baumarkt, wo ich die Holzplatten kaufe. Auch das Epoxidharz bekomme ich da. In zwei weiteren Läden füllen sich die Einkaufskörbe und mein Blick auf die Liste macht immer mehr Haken.  

Ich erinnere mich, wie ich mit dem Pick Up meine Materialen ins Atelier bringe. Ich bin aufgeregt, als würde ich zu einer großen Expedition aufbrechen. Mein Mund ist trocken, als ich mit dem Auto rangiere und die Materialien ins Atelier befördere.
Es ist ja meine große Expedition. Meine Künstlerin darf sich räumlich und zeitlich ausbreiten. Ich nehme sie ernst, setze meine Ideen um.  

Ich fange an mit dem alten Schulatlas zu experimentieren, einzelne Seiten aufzukleben. Wie kann ich Grenzen schaffen, die das Epoxidharz auffangen? Von Silikon über Reliefpaste, über Faltungen und Schablonen, über Ton, ich lasse mir viel einfallen. Und was, wenn ich das Epoxidharz in einem bestimmten Stadium der Festigkeit einfach laufen lasse? Kann ich es wie eine Farbe nutzen? Und wie bekomme ich die Blasen weg? Wieviel Tinte brauche ich, um das Harz zu färben, wie laufen unterschiedlich gefärbte Harze ineinander? Wie finde ich das richtige Mischungsverhältnis zwischen den Komponenten, die ich zusammen rühren muss?

Es gefällt mir, dass das neue Medium meine Arbeitsweise vorgibt. Auch wenn ich deshalb erstmal nicht ins Malen komme, weil ich noch ziemlich ehrfürchtig mit Harz und Karten umgehe. Ich will nicht ehrfürchtig sein, nicht anhaften, nicht zu früh ans vollendende Gestalten des Entstehenden denken. Aber hier spiele ich sofort mit dem, was die Harzformen mir an Assoziationen schenken. Aus zwei schwarzen Kreisen werden Eulenaugen. Ich arbeite rund geschliffene Muscheln ein und bilde einen Kreis aus magischen Geschöpfen im Meer.
Alte Straßenkarten, die Dave noch hatte, lege ich im Garten aus, um sie Wind und Wetter zu überlassen. Aus diesen mit Spor Flecken durch setzten, zerrissenen Karten entstehen skulpturale Landschaften mit Papierschiffen und Papierfliegern darin. Ich male sie an und gieße sie mit Epoxidharz aus.

Um mich doch noch etwas auszutoben malerisch, fange ich die Schatten der Flachs- und Farnbüsche im Garten ein. Schönheit. Auf diese Tuschebilder gestalte ich mit Farbe und klebe Teile von Landkarten hinein. Banks Peninsula wird der Kopf eines Wesens mit ausgebreiteten Armen inmitten eines Farndschungels. Beauty und Despair. Dann noch Epoxidharz hinein ins Ringen zwischen von Menschen geschaffenen Werken und Natur. Es wird klebrig. Es ist lebendig.

Ich schreibe einen Text: I love Maps.
Ich schreibe Texte zu meinen Bildern.
In Worte fassen, was mit mir passiert kann ich nicht.
Ich male längliche Formate 60 x120 cm, entsprechend meiner Spanplatten, auf die ich das Papier aufklebe.
Ich bin euphorisch und werde mitgerissen vom Flow, der übernimmt. Ich hole aus, lasse die Farbe vom Pinsel sprengen, male mit Lappen, mit Händen, mit dem ganzen Körper, im Freien, auch wenn es kalt ist. Nicht mehr ich male, es gestaltet sich. 
Ich verliere mich in der Belanglosigkeit meines Schaffens und bin ausgelaugt.
Ich mache eine Pause von den Karten, male schöne große Bilder auf aufgeklappten Kaffeebohnensäcken, mit magischen Spiegeln und Blütenträumen, die ich allesamt verschenke.

Es wird noch kälter und das Harz lässt sich nicht mehr gut verarbeiten und trocknet nicht richtig. Ich vergesse das Harz und kehre zu meinem Anfang als Künstlerin zurück, zur Collage. Diesmal ist es der Blick auf das Meer, der zum Ausgangspunkt wird. In diesen Himmel und dieses Meer klebe ich ausgerissene Fetzen von Karten, mal mit Falten aufgeworfene Häute, die von den farbigen Flächen mitgerissen werden. Es fühlt sich vertraut an. Reißen, kleben, versenken, aufscheinen lassen. Vielleicht kehre ich Heim.

I LOVE MAPS

I love to watch the world on the table or on the wall. Land, mountains, deserts, seas. My finger walks along, points at the track, I hiked and the city I visited on the way. All these people who dedicated their lives to discover the sea and the land. They are the ones who delivered the material to draw maps. Now I can look at the map and long for the world to be discovered by me.

What is so special about maps I still try to figure out. 

Maps give an overview.
Maps help me to orientate myself in the world.
Maps help me finding out, where to go.
Maps invite me to find my way. Nowadays google maps fills this need.
Maps reflect our human perception of the world.

Former maps prove the impermanence of the world we figure out it is. Starting from the national borders. Wars come and wars go – borders change. But also we might have overestimated that the world will remain the same world we built our belief systems and our houses on.

What comes next?

How we can deal with the changing world, whose natural reaction of exploitation we are confronted with. A world which becomes less predictable, not only because of the loss of species and ground and stability. And lets say the genius of mankind created options which may overrule the possibilities.

I start with an old New Zealand school atlas for my first experiments. The world political inspires me differently than oceania communication. The first discoverers I start feeling this admiration, for their commitment, their willingness to risk their lives, stepping into unknown realms. So maybe we are stepping into unknown realms again. The climate diagrams are all yellow and red as the once I look at so often now.
What are we willing to risk though?
What do I discover and rediscover while stepping out and working on maps?

I can’t take anything for granted. No government owes the fulfilment of our ever growing living standards, nor does life or the environment. I’m seeking ground to stand on, I’m seeking a safe place to open my heart. With an open heart I love and care. I seek for being humble. What a blessing I can express myself doing what I do. Embracing beauty and despair, pain and relief. To love the world I live in.

I want to cry and care and contribute.

We live in a fragile world. Collapsing or cocreating a better world. I feel tenderness as I relate to the world on maps. The map remain precious, reveals the fragile world and the fragile me. The world reaches out to me and touch that inner essence of being human. Wants me to clear my thoughts and feelings and disturbances to engage for what I can do.

My joy when the resin is licking its own way is equally part of my life as the moments of despair when conflicts are deepening and people are killed in wars, wasting resources. My enthusiasm in the process of creation is as real as my stress, triggered in situations where life challenges me in my own little world. I realize that my autonomous nervous system has a life on its own and I can train myself to deal with it. I am a world of my own and I sort of continuously discover and rediscover the seas and mountains and borders in my inner landscape. I wander and wonder. And I draw my own map.

So lets draw our own maps and extend the inner landscape to the world around and include the world around into our inner landscapes. Let’s get lost and find the orientation we need to care and contribute towards the world we want to live in.

Gab

Wie geht krank sein?

Von außen betrachtet, könnte man meinen, ich sei diszipliniert. Ich stehe auf, wenn mein grippaler Infekt es irgendwie zulässt und werde aktiv. Im Bett herum liegen macht es auch nicht besser. Ich koche Kaffee, mixe einen Anti Viral Drink, mache situationsangepasste Yoga Übungen, richte mich auf den Tag aus, verbinde mich mit dem größeren Ganzen. Weil ich noch krank bin, Kopf und Hals und Nase und Glieder, mache ich langsam. Aber wenn es geht, gehe ich spazieren, um meinen Kreislauf in Gang zu bringen – weil ich weiß, wie mich die kühle frische Luft auf meinem Gesicht belebt. Genauso wie ich weiß, wie gut es ist, die Dehnung in der Taube in meinem Hintern zu fühlen, spürbar aber nicht schmerzhaft und meine Stirn dabei auf dem Boden liegen zu lassen, damit alles in diesen Boden hinein sinken kann. Und wenn es irgendwie geht, schaue ich, was im Kühlschrank liegt, weil kochen erdet, weil ich gerne Gemüse schneide. Weil ich mich wie eine Alchemistin fühle, mit dem was im Kühlschrank und Daves Küchenschrank und Schubladen an Lebensmitteln ist, etwas zu köcheln. Ich finden Misopaste, Tahini, Dosen mit Linsen, Kartoffeln, Broccoli, Karotten, Zwiebeln. Ausnahmsweise verzichte ich auf den Ingwer. Aber nur Ausnahmsweise. Die Pilze und den Blumenkohl lasse ich im Kühlschrank. Und den Rosenkohl auch. Die Zwiebeln röste ich lange an und die Gewürze kurz. Kardamom, Kumin, Kurkuma, mixed Spices, Fennugreek seeds. Und ich lasse mich erst erschöpft ins Bett fallen, wenn plötzlich alles zu viel ist, wenn ein Cocktail aus meinem Inneren zu fluten beginnt, wie ein Wasserpegel der unaufhaltsam steigt. Und in dem Cocktail rotzt und quengelt das kranke Kleinkind, die Jugendliche hat Kreislaufprobleme und komische Gefühle, und ich spüre diese Mischung aus Tränen und Ärger und Verlorenheit. In meinem Anti Viral Cocktail schmecke ich das Salbeibitter.
So war es eigentlich immer, denke ich bei mir.  

Und ich weiß, es hat nichts mit Disziplin zu tun, wenn ich aufstehe und meine Übungen mache. Es ist mein Rettungsboot im unendlichen Ozean der Zeit, in dem ich sonst treiben würde, allen über mich zusammenschlagenden Wellen ausgesetzt, allen Haien mit ihren aufragenden dreieckigen Flossen wie Pfeilspitzen, die bereits in der Ferne Panik auslösen, die dem nahenden Ende gleichkommen. Vielleicht ist es auch viel harmloser, einfach ein unendliches Treiben ohne Ziel und Bestimmung, ein Gewahr werden, da ist gar kein Boden unter meinen Füßen. Vielleicht ist es auch das, wovor ich mich in mein Boot rette.
Am Tag 6 meines krank seins muss ich zurück auf LOS. So fühlt es sich an. Wie nach der Ereigniskarte beim Monopoly Spiel. Gehen Sie zurück auf Los. Ohne noch irgendwelche Gewinne mitnehmen zu können. Jetzt sofort. Gehen Sie zurück in Ihr Bett. Jetzt, direkt nach dem Kaffee. Keine Übungen. Kein gar nichts. Immerhin schon lesen, bis ich zu müde bin und dann wieder schlafen. Mehr geht nicht.
Ich denke, so geht doch eigentlich krank sein.
Im Bett liegen, mitten am Tag.
Ich habe ja im Bett gelegen, im Akutzustand. Als der Mund nachts immer trocken war und selbst, wenn ich die Lippen geschlossen und nach Spucke gesucht habe, war da keine. Als ich mich fiebrig und heiß und kalt zugleich gefühlt habe. Als ich wach lag, weil mein Körper ja auf Hochtouren gearbeitet hat, klebrig habe ich in der Erde festgesteckt, da musste ich mich durchschaufeln, durch diese feste, lehmige Erde, es blieb mir ja nichts anderes übrig. Als der nächste Morgen nur der nächste Morgen und noch nicht die Erleichterung war. Aber ich habe gar nicht im Bett gelegen, weil wir ja von Christchurch zurück nach Dunedin gefahren sind, sondern im Halbkoma auf dem Beifahrersitz, ganz zurückgelegt. Zum Glück fährt Dave gerne Auto, sonst hätte ich mich noch schlechter gefühlt, als Fahrerin auszufallen, auf der fünfstündigen Strecke.
Weil krank sein bedeutet ja ohnehin, mich unattraktiv zu fühlen. Verklebt, benommen, verschwommen, verquollen, dünnhäutig, verstopft, da in den Stirnhöhlen sitzt es fest und ich kann nicht richtig schlucken und nicht durch die Nase atmen.
Alles hat mich nicht davon abgehalten, mit Dave im Café zu sitzen. Cappuccino und Flat White müssen schon sein. Und ab einem bestimmten Zustand und in entsprechender Dosierung tun ja auch Paracetamol und Ibuprofen ihre Wirkung. Mein Cappuccino mit Zimt. Es ist ein bisschen wie Unterwasser sein. Ich täusche mir Gesundheit vor. Außerdem schmeckt der Cappuccino. Mit Zimt. Außerdem ist es alles halb so schlimm. Außerdem bin ich schon fast wieder gesund. Außerdem tut mir das gut.
Außerdem ist mein Körper ein Wunder. Ich finde, wir sind uns dessen überhaupt nicht bewusst genug. Ein Wunder, das gefeiert werden will. Mein Körper kann diesen Zustand aus eigener Kraft umwandeln. Mein Körper weiß diese Viren zu nehmen und die Fresszellen meines Immunsystems beißen zu und zu und zu und zu und zu und hören gar nicht mehr auf. Dafür brauchen sie Kraft. Dafür liege ich jetzt im Bett. Wieder im Bett.

So wie die vielen Male, die ich schon dieses Wunder von krank zu wieder gesund durchlebt habe. Wenn ich im Schlafzimmer im Bett meiner Mutter lag, versorgt, umsorgt, mit Liebe durchzogene Zwiebäcke mit Butter neben meinem Bett. Die Handwaschschüssel, falls ich spucken muss. Die Wadenwickel. Die Mutter legt eine Hand auf meine Stirn und eine Hand auf ihre Stirn. Dann das Fieberthermometer im Po. Die Mutter schlägt die gestiegene Quecksilbersäule mit der Hand wieder nach unten. Die Mutter streicht mir über die Wange. Sie singt. Heile heile Segen.

Und diese Momente während ich krank bin, wenn ich mich ergeben muss. Wenn ich alles loslasse, was es sonst an Pflichten in meinem Leben gibt, weil es nur noch das Jetzt gibt. Es ist egal, ob alles gepackt ist, als wir im Auto sitzen, weil gar nichts mehr geht, weil deshalb nichts wirklich wichtig ist und weil das Leben schon für alles Wichtige sorgt. Ist der Fokus auf das Überleben auch eine Erleichterung?
Draußen ist es nebelig. Dunkelgrün, grau und weiß. Ich habe kalte Füße und mein restlicher Körper ist fast etwas heiß. Ich lese HOT MILK von Deborah Levy. Ich mag das Innenleben ihrer 24-jährigen Halb Griechin, Halb Engländerin, die als Anthropologin, die sich selbst auf die Spur kommen muss, alles befragt.

Ich mag es, alles zu befragen.

Wie geht eigentlich krank sein?

Protecting what we love

Eine Serie der neuseeländischen Künstlerin Marilynn Webb heißt Protection Work. Sie widmet sich den gefährdeten und bedrohten Spezies. In Neuseeland sind ungefähr 80 Prozent der Tierarten endemisch, das heißt, sie leben nur auf diesen Inseln am anderen Ende der Welt und nirgendwo sonst. Neuseeland ist vom größten Artensterben weltweit betroffen, also auch in dieser Hinsicht ein Spitzenreiter. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer ist schlicht, dass die Lebensraumnischen so spezifisch, die Anpassungsfähigkeit der Arten weniger ausgeprägt ist und der Mensch diese Nischen über wirtschaftliche Nutzung von Land zerstört hat. Ein anderer folgenschwerer Faktor ist, das Neuseeland Inseln ohne Säugetiere waren, also auch ohne Kleinraubtiere, bevor die europäischen Siedler kamen. Es gab unendlich viele besondere bodenbrütende Vögel, wie auch den Kiwi Vogel. Viele Arten sind bereits ausgestorben, wie die Formen des Moa Vogels, eine Vogelart, die mich auf den Abbildungen an den Vogelstrauß erinnert.

Auf unserer viertägigen Wanderung liegen in den Hütten Zeitschriften wie Forest &Bird und Wilderness. Ich blättere darin herum, lese Artikel über Geckos und Eidechsen. Es gibt Eidechsenforscher, die eine Eidechsen entdeckten, von denen es nur dieses eine gesichtete Exemplar gibt. Die Realität von Artensterben rückt mir plötzlich ganz nah. Wenn diese eine Eidechse auch noch verschwindet, dann gehört diese Eidechsenart der Vergangenheit an. Für immer.

Die Eidechsenforscher haben beobachtet, dass es Marder, Wiesel und Ratten auch durch die Klimaerwärmung mehr in die Bergregionen hinaufzieht und sie den seltenen Eidechsen womöglich bald ein Ende ihrer Existenz bereiten. Sie fordern mehr Anstrengungen, auch diese Lebensräume zu schützen.

Ich kann immer mehr verstehen, dass die ca. 5 Millionen Neuseeländer stolz auf die tatsächlich einzigartige Natur sind. Egal ob es nun Teil der nationalen Identität ist oder nicht, ich spüre die Einigkeit unter den Naturschützern. Es geht darum, diese Biodiversität zu schützen. Und es ist klar, was es dafür zu tun gibt:

2050: Predator free New Zealand ist ein erklärtes großes Ziel. Und auch darüber herrscht auf diesen Inseln eine große Einigkeit.

Naturschutz heißt konkret, alle Tiere umzubringen, die die endemischen Arten bedrohen. Landesweit gibt es unzählige Initiativen und Umweltorganisationen, die ausgekügelte Fallen entwickelt haben, um alle säugenden Raubtiere wie Wiesel, Marder, Ratten möglichst weitgehend zu töten.

Wie bereits ausgeführt, gab es keine Säugetiere auf diesen Inseln und ein wesentlicher Teil der endemischen Arten waren und sind bodenbrütende Vögel, angefangen vom Kiwi bis zum Takahe. Ein Paradies für die von den europäischen Siedlern eingeführten Kleinraubtiere. Leichte Beute, wo sie nur waren, so dass sie sich entsprechend schnell vermehrt haben.

Auf einer Wanderung sehen wir drei Fallen, in denen leblose Marder hängen, weil sie noch nicht wieder entsorgt und mit neuen Ködern versehen wurden. Es gibt bereits Fallen, die selbst registrieren, wenn Beute darin ist und entsprechend die Beute entsorgen und sich wieder auf automatisch startklar reinstallieren. Es gibt auch Fallen, die unterscheiden können, ob es ein Marder oder eine gechipte Katze ist. Eine andere Art des Schutzes ist, ganze Landschaften mit raubtiersicheren Zäunen zu versehen. Es gibt Reservate, in denen sich bedrohte Bodenbrüter unter natürlichen Bedingungen wieder vermehren können. Wer die Intelligenz von Tieren kennt, hat vielleicht eine Ahnung, wie diese Zäune beschaffen sein müssen, um den Raubtieren wirklich den Zugang zu verwehren, weder unter dem Zaun, noch über dem Zaun. Ich habe auch ein solches Ecosanctuary besucht und die Zäune sind schon beachtlich. Ganz frei von anderen Assoziationen an anderen Landesgrenzen bin ich nicht. Beeindruckend war es dennoch, diese seltenen Vögel, in unserem Fall ein Takahe Paar zu beobachten und zwei Kaka in den Bäumen sitzen zu sehen. Dazu braucht es wiederum Glück, denn die Vögel sind ja in dem Reservat frei.

Auf diesem Inselraum werde ich einiger Illusionen beraubt.

Die sich natürlich regelnden Jäger-Beute Zyklen, von denen ich in der Schule gelernt habe, sind hier ihrer Natürlichkeit enthoben. Hier gibt es keine Jäger-Beute Zyklen, weil die Nahrungskette eine andere war. Ohne menschliches Eingreifen bedeutet das, die einzigartigen Bodenbrüter ihrem Untergang zu weihen. Naturschutz heißt Kleinraubtiere umbringen, die endemische Arten gefährden.

Dasselbe gilt auch für die Pflanzen.

„Sycamores are the pest,“ höre ich die Nachbarn, sich über die Bemühungen in ihren Gärten austauschen. Also heißt es, diese Ahornbäume vernichten, damit die heimischen Pflanzen wieder eine Chance haben. Ganz Hänge sehen verwüstet aus, wenn wir durch die Gegend fahren. Sie sind im Zwischenstadium, um im Anschluss, wieder einheimische Arten zu pflanzen. Und gepflanzt wird überall.

Der Mensch hat ein fragiles ökologisches Gleichgewicht zerstört, ein Biotop vernichtet, in dem er Tiere und Pflanzen mitgebracht hat. Jetzt versucht er zu retten, was zu retten ist. Vielleicht ist es ein Glück, dass es einen Feind gibt, eine Aufgabe, über die Einigkeit besteht. Und vielleicht ist es der erklärte Feind, der die verschiedenen Gruppierungen über unterschiedliche Herangehensweisen hinwegsehen lässt und dadurch so viel in Bewegung setzt.

Und die Veränderungen sind hörbar – in bestimmten Regionen, wo die Predator free Aktivitäten vorangeschritten sind, lausche ich einem berauschenden Gezwitscher. Ich kann schon den Tui, den Magier unter den Vogelstimmen erkennen.

Und sichtbar sind die Anstrengungen allemal. In der Gegend um Punaikaki werden gerodete Flächen von der Organisation Conservation Volunteers New Zealand (CVNZ) seit 2008 wieder aufgeforstet. Rund 500 000 einheimischen Bäumen und Sträucher wurden gepflanzt. Da wo zuvor nur flaches ehemalig genutztes Farmland war, sind jetzt wieder wunderbare Wälder gewachsen.   

So kann ich alles gleichzeitig sehen.

Es ist möglich ein Paradies zu zerstören.

Es ist möglich, verwüstete Orte wieder in ein Paradies zu verwandeln.

Nature as an Artist

Die Schönheit der Natur zu feiern, fällt in Neuseeland nicht schwer. Aber auch im Angesicht überwältigender Landschaften will ich eine Lanze brechen für die Schönheit am Wegrand, die zufälligen Zusammenspiele von Wasser und Stein, von Stein und Holz, von Werden und Vergehen, von Blühen und Welken. Die imposanten Auftritte von gewaltigen Landschaften, deren majestätischer Gebärde wir uns nicht entziehen können, die werden ohnehin gefeiert in allen Reiseprospekten, die Neuseeland als unvergessliches Erlebnis anpreisen. Und ja, ich kann verstehen, wieso diese Naturschönheiten auf allen Instagramm Accounts der Neuseelandreisenden gepostet werden, wieso sie eine große Bühne bekommen und tausende von Menschen anziehen. Ich war bei den allermeisten nicht. Deshalb kann ich auch nichts darüber erzählen. Doch der vielgepriesene Pancake Rock, den habe ich mit allen anderen gefeiert. Immerhin.

Weil die Eindrücke, die sich ins Gewebe fortsetzen, nicht bei den überwältigenden Hotspots aufhören, weil sie vielleicht erst bei den Schritten, die sich davon entfernen beginnen, teile ich mein unaufhörliches Staunen, sobald wir uns auf die Tramps begeben haben. Was Wandern bei uns, ist Trampen bei den Neuseeländern, eine Leidenschaft, die von vielen Einheimischen geteilt wird. Am liebsten hätte ich mich ganz dem Staunen und Fotografieren hingegeben auf dem viertägigen Heaphy Track und dem zweitägigen Inland Pack Track, wie eigentlich auf allen Streifzügen auf zwei Beinen. Doch gewiss, es geht beides, mal siegt das Vorankommen, mal das Anhalten und nach einem Ausschnitt suchen, der etwas davon einfangen mag, was mich gerade so gefangen nimmt. Die Intensität des Moments, sie lässt sich selten bannen, doch etwas davon mag vielleicht hinübergleiten durch die Bilder.  

Egal ob ich die herabfallenden Kiekie Leaves als geheime Zeichen sehe, oder die vom Wasser in Jahrtausenden, wenn nicht gar Jahrmillionen in den Stein geformten Bögen und Skulpturen. Oder dieses Aufeinander, Aneinander und Ineinander wachsen der Pflanzen. Ein Baum ist nicht mehr nur ein Baum, es ist ein kreatürliches Wesen, weil sich so viele Arten dieses Lebensraumes beheimatet haben. Der Rata Baum sucht sich einen anderen Baum als Gastgeber für sein emporwachsen. Die Kiekie Schlingpflanze rankt und wuchert wiederrum am Rata Baum empor.

Je nach Feuchtigkeit sind die Bäume ganz von Moos und Flechten bewachsen. Zum Teil ist nicht erkennbar, was hinaufstrebt oder als Wurzeln der Kletterer hinunterstrebt. Manche Moose am Boden sehen wiederum wie Miniaturwälder aus. Ich stelle mir vor, wie darin für uns unsichtbare kleine Gnome und Wesen beheimatet sind. Dann noch das Sonnenlicht, welches plötzlich einzelne Blätter aus dem Schwarz aufscheinen lässt, Farne aller Art. Diese Wiederum, die mich immer auf’s neue Entzücken mit ihren Spiralen, bevor sie sich entfalten. Ich kann mir den Fibonacci Code, die mathematische Grundlage der Spiralform, bei der die nächste Spirale immer die Summe der zwei vorangegangenen Ziffern ist, in ihrer vollkommenen Ausprägung anschauen. Ich kann mich nicht sattsehen.

Und erst die Tiere. Am Strand treffe ich auf einen Shag, eine Art Kormoran. Wir stehen beide in der Nähe der heranrollenden Wellen und auf einmal verbindet uns das Wegspringen vor dem heranflutenden Wasser. Wir haben Spaß. Wir spielen das gleiche Spiel.

Oder wie kann es anders Sein, dass die Delphine, die plötzlich zu Dutzenden an der Küste entlang ziehen und deren Flossen sich in unvorhersehbaren Rhythmen an der Oberfläche zeigen, nicht aus purer Freude plötzlich in die Höhe schnellen, um sich wieder ins Wasser platschen lassen. Die ganz Übermütigen verbinden es mit einem Rückwärtssalto und manchmal wirkt es so, als würde ein und dasselbe Tier gleich zwei Rückwärtssaltos machen. Oder wenn zwei Delphine synchron Springen, als hätten sie das lange einstudiert. Noch habe ich nicht recherchiert, ob sich diese von mir als pure Bewegungsfreude gedeuteten Sprünge in eine Überlebenschoreographie einordnen lassen, die dazu dient, als Delphinrudel wiederum Fischschwärme einzukreisen, um sich im Fressen und Gefressen werden, in den Nahrungsketten des Meeres gütlich zu tun. Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass sich diese unzähligen Delphine an einer an der Küstenstraße kenntlich gemachten Zone als Meeresreservat tummeln, etwas südlich von Kaikoura.  Es braucht etwas Zeit, bis ich mich loseisen kann und wieder ins Auto setze. In meinem nächsten Leben will ich Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten. Ich will von ihnen lernen.

Das Wunder der Zuwendung

Drawing Mountains from Memories extends an invitation to our audience to get lost in their own creative process, free from instruction and interference. It celebrates and values your own expression.

Homepage of the Art Gallery in Dunedin

Ich bin in der  Art Gallery in Dunedin. Die Ausstellungen hier kosten keinen Eintritt und ich kann kommen und gehen wie ich möchte.
Es wird eine Retrospektive von Marilynn Webb (1937 – 2021) gezeigt, einer hiesigen Künstlerin.
Einige Bilder sind Landschaften, die auf Formen verdichtet sind, die etwas ganz Ornamentales für mich ausstrahlen, fast Hermetisches. Sie genügen sich selbst. Und gleichzeitig laden sich mich ein, zu verweilen, mich zu verlieren und zu fokussieren gleichzeitig. Und andere Beobachtungen am Strand zu machen und mit meinen Aufnahmen zu spielen.  

Tangata and whenua. People and Land. Die Kraft der Verbindung von Menschen und Land.
Immer wieder begegnen mir hier Himmel, Wasser, Land, Mensch. Marylinn Webb wird auch als Aktivistin und Feministin vorgestellt, die sich der Verletzlichkeit von Landschaft hingibt. Sie war eine der Pionierinnen, die den Kunstunterricht in Neuseelands Schulen gewandelt hat, hin zu etwas genuin Schöpferischen, um dem Ausdruck eines jeden Kindes Raum zu lassen.

„Kraft finden in der Umarmung der Hügel“, wird die Künstlerin zitiert.
Ja, denke ich, so fühle ich mich hier auch, wenn ich auf den Mopanui vor mir schaue, der etwas weibliches Umarmendes für mich hat, als Teil der Hügelkette in der Purakaunui Bay. Sie wirkt auf mich wie ein weiblicher Schoß. Ein aufnehmender Schoß. Ein mich aufnehmender Schoß, in dem das Wasser im Licht der Nachmittagssonne in einem hellen Türkis schillert. Heute Morgen, nachdem ich mich laufend genug aufgewärmt habe, um mich in die kalten Fluten zu stürzen, höre ich ein Schnauben, das nach genussvollem Schwimmen klingt. Ich schaue mich um und entdecke einen Seelöwen, der sich mit dem auslaufenden Wasser aufs Meer hinaus treiben lässt. Also wenn das keine Einladung ist. Auch wenn ich froh bin, dass der kräftige Gefährte außer Sichtweite ist. Heute Nachmittag läuft das Wasser gerade wieder vom Meer hinein in die Bay und beim Schwimmen spüre ich, dass die Flüsse aufwärts fließen. Ehe ich mich versehe, treibe ich in die andere Richtung ab. Da ist dieses kalte, salzige, klare Wasser, draußen der frische Wind und ich muss kräftige Schwimmzüge machen, um gegen diese Strömung des auflaufenden Meeres zu meinem Platz zurückzukehren.

Vor einigen Tagen hat Dave mir einen Klumpen Ton hingeworfen, zum Herumspielen. Also spiele ich. Eine lesende Liegende, eine eingerollte Schlafende und ein Seelöwe werden Zusehens zu Geschöpfen, die sich durch meine Hände gebären. Da wo eben nur ein Klumpen Ton war, ist jetzt einfühlen, Leben einhauchen, Ausdruck verleihen, spielen. Vielleicht nicht von Dauer, aber für den Moment des Glücks.

Da soll die Künstlerin noch einmal zu Wort kommen:

It`s nothing to do with drawing landscape, it’s to do with connection

Marylinn Webb

Toitǔ te marae a Tāne

Toitǔ te marae a Tāne
Toitǔ te marae a Tangaroa,
Toitǔ te tangata

If the land is well
and the sea is well,
the people will thrive

Maori

Gruß von der Insel Aotearoa.

Diese Insel war ursprünglich einzig von den Maori bewohnt. Da sollen sie doch auch als erstes in meinen Aufzeichnungen zu Wort kommen. Ich melde mich aus Neuseeland, schreibe 12 Stunden voraus, wohl wissend, dass die meisten Lesenden im kalten winterlichen Deutschland sitzen.

Herzlichen Gruß an Euch ans andere Ende der Welt.

Die Kinder brechen auf in die Welt, was liegt näher als so zu tun, als wäre auch ich jung und könnte ebenso aufbrechen in eine Welt, die nur darauf wartet, mich mit Erfahrungen zu beschenken, von denen ich noch keine Ahnung habe, dass ich sie machen werde. Ich bin ja jung genug, um mir ein Sabbatical einzurichten, loszulassen, was meinen Alltag ausgemacht hat und mich auf den Weg ans andere Ende der Welt zu machen.

Außerdem gibt es immer gute Gründe, Neuland zu betreten, soll es für mich doch ein Neusehland werden. Meine Gründe zähle ich zu den Besten, doch dazu ein andermal.

Ich sitze jetzt in Pǔrākaunui, an einem zauberhaften wie für mich geschaffenen Ort. Ich nenne ihn mein writers retreat. Es ist eine von Dave geschaffene Kabine, mit einem Bett und einem Klapptisch, den ich aus der Wand herausklappen kann, auf dem gerade mein Laptop Platz hat. Durch die Glastüren, die die ganz Frontseite meiner Kabine ausmachen, schaue ich über die Lagune. Gerade ist Flut und das Meerwasser, das hereingeströmt ist, hat eine türkise Farbe. Vor mir ein Baum, auf dem ein Tui zu mir hereinschaut. Der Tui ist leicht zu erkennen an seiner weißen Feder, die am Hals heraushängt, wie ein Lätzchen. Der Tui ist auch auf der Titelseite des Jahresberichts Organisation Conservation Volunteers New Zealand, in der ich vorhin herumgeblättert habe und eben dieses Zitat gefunden habe.

„Wenn es dem Land gut geht, wenn es dem Meer gut geht, werden die Menschen gedeihen“,
sagen die Maori.
Ich kann den Geist der Maori spüren, der auf dieser Insel beheimatet ist.
Und ich sehe die Versuche, den Geist der Maori spürbar zu machen, viele Ortsnamen stehen einzig in ihrer Sprache auf den Schildern. Auch auf den von DOC (Department of Conservation) ausgewiesenen Wanderungen werden die Plätze benannt, die für die Maori besondere Bedeutung haben und es wird um Respekt gebeten.

Es braucht nicht viel, um sich für diese Kultur zu öffnen. Ich habe diese großartigen Kurzfilme im Kopf von Maori Filmemacherinnen. Die Bilder von der alleinerziehenden Mutter, deren Auto auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch stehen bleibt und die Kinder, die allein zu Hause sind. In einem anderen Film versammeln sich die Familien in einem Mārae (eine Versammlungshalle), zelebrieren die eindrücklichen Rituale nach dem Tod eines Familienmitglieds. Während der Film die rivalisierenden Familien ins Zentrum rückt, die während der Zeremonie unterschwellig aushandeln, was zu Lebzeiten ungelöst geblieben ist, starre ich gebannt auf die bemalten Gesichter und lausche den Klängen ihrer Gesänge. Obwohl es schon ein Jahr her ist, dass ich diese Filme gesehen habe, tauchen wieder Bilder auf. Ich habe eine leise Ahnung, was für eine Herausforderung es ist selbst mit dem sich wieder erneuernden Selbstbewusstsein für die eigene Tradition, den eigenen Platz auf dieser Insel als Maori zu behaupten und an einer gemeinsamen Kultur zu partizipieren.

Kleiner geschichtlicher Exkurs: 1769 landete James Cook auf der Insel und schon 1840 gab es so viele europäische Siedler, dass es zum „Treaty von Waitangi“ kam, einem Vertrag zwischen 540 Maori Chefs und der englischen Krone. Da der Vertrag in den unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Inhalte hatte, sorgt er bis heute für Auseinandersetzungen. Wie auch anderswo, gehören Kämpfe ebenso zur Geschichte dieser Insel, wie die vielen Anstrengungen, einander zu befruchten und den Maori als den ursprünglichen BewohnerInnen der Insel zu ihrem angestammten Recht zu verhelfen.

Dies ist eine Fährte, auf der ich unterwegs bleiben werde.

Meine Tochter hält mir eine große spiralförmige Schneckenmuschel ans Ohr.
„Lausch mal, damit kannst Du immer das Meer hören.“
Wir stehen am Strand und ich höre das Meeresrauschen in der Muschel verstärkt. Wir sind uns nicht einig, ob ich mein eigenes zirkulierendes Blut höre oder durch welches Phänomen mir die Muschel das Meeresrauschen schenkt. Dieses große weite Meer, das mich hier überall begleitet. Wellen rollen heran, bis sie sich an einem unvorhersehbaren Moment brechen.

„Wenn es dem Land gut geht, wenn es dem Meer gut geht, werden die Menschen gedeihen“.

Wie trage ich denn Sorge für dieses Land (auch am anderen Ende der Welt) und für dieses Meer?
Diese Frage will ich weiter mit mir herumtragen.

Gestern waren wir am Sandfly Beach und haben mit den Seelöwen gechillt. Was für beeindruckende Gefährten. Diese Seelöwenspezies erholt sich hier langsam aus der Zone der gefährdeten Tierarten heraus.

Als wir einen Platz am Rand der Dünen gefunden haben, bemerken wir eine schlafende Seelöwin, vielleicht 15 Meter von uns entfernt. Sie hat sich in den Sand eingegraben und schaufelt sich mit ihren Vorderflossen immer wieder Sand auf ihren Körper. Wenn es ihr nicht mehr behagt, dann stützt sie sich mit diesen Vorderflossen ab, richtet sich auf, wendet sich, um sich wieder genüsslich in den Sand fallen zu lassen. Ich finde, sie hat einen besonderen Blick. Ungefähr 20 Meter weiter weg liegt ein kleiner Schädel und die Reste eines Fells, das aussieht wie eine kleine zerfledderte Seelöwenpuppe.
„Das Seelöwenbaby ist wohl direkt nach der Geburt gestorben“, meint Dave.
In meiner Phantasie liegt da in den Dünen die trauernde Seelöwenmama. Zumal ich weiß, dass die Seelöwinnen sich mit ihren Neugeborenen in die Dünen zurückziehen.
Etwas weiter thront ein mächtiger Seelöwe, groß und schwer und alt?
Die beiden kleineren Seelöwen, sind es seine zwei Frauen?
Und die agilen schwarzen Seelöwen, die die Brandung durchkämmen, als wäre sie nicht mächtig, aufbrausend und hereinbrechend, sind sie auf der Suche nach einer Seelöwin? So wirkt es fast, wenn sie diese aus ihrem Schlaf am Strand aufscheuchen, sie liebkosen mit bissigen Küssen, bis die Seelöwinnen ihrerseits genug haben und sich in die Fluten stürzen. Wie schnell sie sich auf ihren vier Flossen watschelnd über den Sand bewegen können.
Diese Bereitschaft alle Viere von sich zu Strecken und mit einem Platsch auf dem Sand zu landen. Großartig.

Soweit von mir an diesem Ende der Welt.