die Schreibende malt

Meine Beine schmerzen, aber ich es sind nur noch wenige Kilometer. 4 Tage sind wir gewandert auf dem Heaphy Track, jeden Tag tat sich eine neue faszinierende Landschaft auf. Es war unglaublich. Die letzte lange 24 km Etappe schaffe ich auch noch. Während ich meinen Schritten lausche, kommen mir Bilder. Ich sehe mich, wie ich auf alten Landkarten male. Als wären alte Landkarten Pläne, um Schätze zu finden. Dafür brauche ich Platz, ein Atelier. Und auch wenn wir völlig abgeschieden wohnen, sehe ich mich in einem großen Atelier, in das ich mit dem Fahrrad komme.

Am nächsten Tag erzähle ich Dave davon, der zweifelt, ob ich ein Atelier in Purakaunui auftun werde. Dafür hält er auf dem Rückweg gleich in seinem Lieblings-Secondhandbuchladen, um nach alten Landkarten Ausschau zu halten. Die alten Landkarten sind kostbar. Jedenfalls kosten sie ihren Preis.

„So what. Go for it. Nimm Dich ernst“. Ich muss mir Mut zusprechen, um der Zweiflerin den Wind aus den Segeln zu nehmen.

„An Eingebungen mangelt es dir ja nie, du willst viel zu viel wenn der Tag lang ist, da brauchst du nicht jeder hergelaufenen Eingebung zu folgen“, höre ich meine Zweiflerin fast panisch auf mich einreden. Ich wähle Landkarten, überwiegend Meer, Land nur jeweils in einer Ecke und einen alten Schulatlas, vielleicht aus den 60gern. In diesem Buchladen in Lyttleton ist das ein guter Anfang. Es folgen noch etliche weitere Buchläden und weitere Karten.
Zu meiner Eingebung gehört auch, auf den Landkarten mit Epoxidharz zu arbeiten. Epoxidharz, das Dinge konserviert. Ich will etwas von diesen Karten bewahren. Etwas von dem, was da gedruckt und festgehalten wurde. Geht es ums bewahren, wenn sich doch alles wandelt? Karten, auf die keiner mehr schaut und die dennoch kostbar sind. In mir will etwas Ausdruck finden, was ich noch nicht benennen kann. Ist es mein Versuch, die Welt, wie sie ist zu feiern, auch wenn Wasserspiegel steigen und Küstenbesiedlungen gefährdet sind? Oder ist es pure Nostalgie? Oder will ich die Menschen um Hingabe an diese weise, berührende Natur anflehen, den allergrößten Schatz überhaupt, den ich gefährdet und kraftvoll spüre?

Dave schlägt vor, eine E-Mail in den lokalen Verteiler zu setzen mit meiner Frage nach einem Atelier. Das Leben ist auf meiner Seite, es gibt genau den Ort, wie ich mir keinen besseren hätte erträumen können. Davon habe ich im Blogbeitrag it matters geschrieben. Deshalb kann es hier weiter gehen mit einer Einkaufsliste. Acrylfarben, Tusche, Tinte, Pinsel, Pasten, Pappteller, Pappbecher, Plastikhandschuhe, Cutter, Klebeband und Harz und Holzplatten und Leim, steht auf einer Papiertüte mit Filzschreiber.

Mitre 10 heißt der Baumarkt, wo ich die Holzplatten kaufe. Auch das Epoxidharz bekomme ich da. In zwei weiteren Läden füllen sich die Einkaufskörbe und mein Blick auf die Liste macht immer mehr Haken.  

Ich erinnere mich, wie ich mit dem Pick Up meine Materialen ins Atelier bringe. Ich bin aufgeregt, als würde ich zu einer großen Expedition aufbrechen. Mein Mund ist trocken, als ich mit dem Auto rangiere und die Materialien ins Atelier befördere.
Es ist ja meine große Expedition. Meine Künstlerin darf sich räumlich und zeitlich ausbreiten. Ich nehme sie ernst, setze meine Ideen um.  

Ich fange an mit dem alten Schulatlas zu experimentieren, einzelne Seiten aufzukleben. Wie kann ich Grenzen schaffen, die das Epoxidharz auffangen? Von Silikon über Reliefpaste, über Faltungen und Schablonen, über Ton, ich lasse mir viel einfallen. Und was, wenn ich das Epoxidharz in einem bestimmten Stadium der Festigkeit einfach laufen lasse? Kann ich es wie eine Farbe nutzen? Und wie bekomme ich die Blasen weg? Wieviel Tinte brauche ich, um das Harz zu färben, wie laufen unterschiedlich gefärbte Harze ineinander? Wie finde ich das richtige Mischungsverhältnis zwischen den Komponenten, die ich zusammen rühren muss?

Es gefällt mir, dass das neue Medium meine Arbeitsweise vorgibt. Auch wenn ich deshalb erstmal nicht ins Malen komme, weil ich noch ziemlich ehrfürchtig mit Harz und Karten umgehe. Ich will nicht ehrfürchtig sein, nicht anhaften, nicht zu früh ans vollendende Gestalten des Entstehenden denken. Aber hier spiele ich sofort mit dem, was die Harzformen mir an Assoziationen schenken. Aus zwei schwarzen Kreisen werden Eulenaugen. Ich arbeite rund geschliffene Muscheln ein und bilde einen Kreis aus magischen Geschöpfen im Meer.
Alte Straßenkarten, die Dave noch hatte, lege ich im Garten aus, um sie Wind und Wetter zu überlassen. Aus diesen mit Spor Flecken durch setzten, zerrissenen Karten entstehen skulpturale Landschaften mit Papierschiffen und Papierfliegern darin. Ich male sie an und gieße sie mit Epoxidharz aus.

Um mich doch noch etwas auszutoben malerisch, fange ich die Schatten der Flachs- und Farnbüsche im Garten ein. Schönheit. Auf diese Tuschebilder gestalte ich mit Farbe und klebe Teile von Landkarten hinein. Banks Peninsula wird der Kopf eines Wesens mit ausgebreiteten Armen inmitten eines Farndschungels. Beauty und Despair. Dann noch Epoxidharz hinein ins Ringen zwischen von Menschen geschaffenen Werken und Natur. Es wird klebrig. Es ist lebendig.

Ich schreibe einen Text: I love Maps.
Ich schreibe Texte zu meinen Bildern.
In Worte fassen, was mit mir passiert kann ich nicht.
Ich male längliche Formate 60 x120 cm, entsprechend meiner Spanplatten, auf die ich das Papier aufklebe.
Ich bin euphorisch und werde mitgerissen vom Flow, der übernimmt. Ich hole aus, lasse die Farbe vom Pinsel sprengen, male mit Lappen, mit Händen, mit dem ganzen Körper, im Freien, auch wenn es kalt ist. Nicht mehr ich male, es gestaltet sich. 
Ich verliere mich in der Belanglosigkeit meines Schaffens und bin ausgelaugt.
Ich mache eine Pause von den Karten, male schöne große Bilder auf aufgeklappten Kaffeebohnensäcken, mit magischen Spiegeln und Blütenträumen, die ich allesamt verschenke.

Es wird noch kälter und das Harz lässt sich nicht mehr gut verarbeiten und trocknet nicht richtig. Ich vergesse das Harz und kehre zu meinem Anfang als Künstlerin zurück, zur Collage. Diesmal ist es der Blick auf das Meer, der zum Ausgangspunkt wird. In diesen Himmel und dieses Meer klebe ich ausgerissene Fetzen von Karten, mal mit Falten aufgeworfene Häute, die von den farbigen Flächen mitgerissen werden. Es fühlt sich vertraut an. Reißen, kleben, versenken, aufscheinen lassen. Vielleicht kehre ich Heim.

I LOVE MAPS

I love to watch the world on the table or on the wall. Land, mountains, deserts, seas. My finger walks along, points at the track, I hiked and the city I visited on the way. All these people who dedicated their lives to discover the sea and the land. They are the ones who delivered the material to draw maps. Now I can look at the map and long for the world to be discovered by me.

What is so special about maps I still try to figure out. 

Maps give an overview.
Maps help me to orientate myself in the world.
Maps help me finding out, where to go.
Maps invite me to find my way. Nowadays google maps fills this need.
Maps reflect our human perception of the world.

Former maps prove the impermanence of the world we figure out it is. Starting from the national borders. Wars come and wars go – borders change. But also we might have overestimated that the world will remain the same world we built our belief systems and our houses on.

What comes next?

How we can deal with the changing world, whose natural reaction of exploitation we are confronted with. A world which becomes less predictable, not only because of the loss of species and ground and stability. And lets say the genius of mankind created options which may overrule the possibilities.

I start with an old New Zealand school atlas for my first experiments. The world political inspires me differently than oceania communication. The first discoverers I start feeling this admiration, for their commitment, their willingness to risk their lives, stepping into unknown realms. So maybe we are stepping into unknown realms again. The climate diagrams are all yellow and red as the once I look at so often now.
What are we willing to risk though?
What do I discover and rediscover while stepping out and working on maps?

I can’t take anything for granted. No government owes the fulfilment of our ever growing living standards, nor does life or the environment. I’m seeking ground to stand on, I’m seeking a safe place to open my heart. With an open heart I love and care. I seek for being humble. What a blessing I can express myself doing what I do. Embracing beauty and despair, pain and relief. To love the world I live in.

I want to cry and care and contribute.

We live in a fragile world. Collapsing or cocreating a better world. I feel tenderness as I relate to the world on maps. The map remain precious, reveals the fragile world and the fragile me. The world reaches out to me and touch that inner essence of being human. Wants me to clear my thoughts and feelings and disturbances to engage for what I can do.

My joy when the resin is licking its own way is equally part of my life as the moments of despair when conflicts are deepening and people are killed in wars, wasting resources. My enthusiasm in the process of creation is as real as my stress, triggered in situations where life challenges me in my own little world. I realize that my autonomous nervous system has a life on its own and I can train myself to deal with it. I am a world of my own and I sort of continuously discover and rediscover the seas and mountains and borders in my inner landscape. I wander and wonder. And I draw my own map.

So lets draw our own maps and extend the inner landscape to the world around and include the world around into our inner landscapes. Let’s get lost and find the orientation we need to care and contribute towards the world we want to live in.

Gab

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