Protecting what we love

Eine Serie der neuseeländischen Künstlerin Marilynn Webb heißt Protection Work. Sie widmet sich den gefährdeten und bedrohten Spezies. In Neuseeland sind ungefähr 80 Prozent der Tierarten endemisch, das heißt, sie leben nur auf diesen Inseln am anderen Ende der Welt und nirgendwo sonst. Neuseeland ist vom größten Artensterben weltweit betroffen, also auch in dieser Hinsicht ein Spitzenreiter. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer ist schlicht, dass die Lebensraumnischen so spezifisch, die Anpassungsfähigkeit der Arten weniger ausgeprägt ist und der Mensch diese Nischen über wirtschaftliche Nutzung von Land zerstört hat. Ein anderer folgenschwerer Faktor ist, das Neuseeland Inseln ohne Säugetiere waren, also auch ohne Kleinraubtiere, bevor die europäischen Siedler kamen. Es gab unendlich viele besondere bodenbrütende Vögel, wie auch den Kiwi Vogel. Viele Arten sind bereits ausgestorben, wie die Formen des Moa Vogels, eine Vogelart, die mich auf den Abbildungen an den Vogelstrauß erinnert.

Auf unserer viertägigen Wanderung liegen in den Hütten Zeitschriften wie Forest &Bird und Wilderness. Ich blättere darin herum, lese Artikel über Geckos und Eidechsen. Es gibt Eidechsenforscher, die eine Eidechsen entdeckten, von denen es nur dieses eine gesichtete Exemplar gibt. Die Realität von Artensterben rückt mir plötzlich ganz nah. Wenn diese eine Eidechse auch noch verschwindet, dann gehört diese Eidechsenart der Vergangenheit an. Für immer.

Die Eidechsenforscher haben beobachtet, dass es Marder, Wiesel und Ratten auch durch die Klimaerwärmung mehr in die Bergregionen hinaufzieht und sie den seltenen Eidechsen womöglich bald ein Ende ihrer Existenz bereiten. Sie fordern mehr Anstrengungen, auch diese Lebensräume zu schützen.

Ich kann immer mehr verstehen, dass die ca. 5 Millionen Neuseeländer stolz auf die tatsächlich einzigartige Natur sind. Egal ob es nun Teil der nationalen Identität ist oder nicht, ich spüre die Einigkeit unter den Naturschützern. Es geht darum, diese Biodiversität zu schützen. Und es ist klar, was es dafür zu tun gibt:

2050: Predator free New Zealand ist ein erklärtes großes Ziel. Und auch darüber herrscht auf diesen Inseln eine große Einigkeit.

Naturschutz heißt konkret, alle Tiere umzubringen, die die endemischen Arten bedrohen. Landesweit gibt es unzählige Initiativen und Umweltorganisationen, die ausgekügelte Fallen entwickelt haben, um alle säugenden Raubtiere wie Wiesel, Marder, Ratten möglichst weitgehend zu töten.

Wie bereits ausgeführt, gab es keine Säugetiere auf diesen Inseln und ein wesentlicher Teil der endemischen Arten waren und sind bodenbrütende Vögel, angefangen vom Kiwi bis zum Takahe. Ein Paradies für die von den europäischen Siedlern eingeführten Kleinraubtiere. Leichte Beute, wo sie nur waren, so dass sie sich entsprechend schnell vermehrt haben.

Auf einer Wanderung sehen wir drei Fallen, in denen leblose Marder hängen, weil sie noch nicht wieder entsorgt und mit neuen Ködern versehen wurden. Es gibt bereits Fallen, die selbst registrieren, wenn Beute darin ist und entsprechend die Beute entsorgen und sich wieder auf automatisch startklar reinstallieren. Es gibt auch Fallen, die unterscheiden können, ob es ein Marder oder eine gechipte Katze ist. Eine andere Art des Schutzes ist, ganze Landschaften mit raubtiersicheren Zäunen zu versehen. Es gibt Reservate, in denen sich bedrohte Bodenbrüter unter natürlichen Bedingungen wieder vermehren können. Wer die Intelligenz von Tieren kennt, hat vielleicht eine Ahnung, wie diese Zäune beschaffen sein müssen, um den Raubtieren wirklich den Zugang zu verwehren, weder unter dem Zaun, noch über dem Zaun. Ich habe auch ein solches Ecosanctuary besucht und die Zäune sind schon beachtlich. Ganz frei von anderen Assoziationen an anderen Landesgrenzen bin ich nicht. Beeindruckend war es dennoch, diese seltenen Vögel, in unserem Fall ein Takahe Paar zu beobachten und zwei Kaka in den Bäumen sitzen zu sehen. Dazu braucht es wiederum Glück, denn die Vögel sind ja in dem Reservat frei.

Auf diesem Inselraum werde ich einiger Illusionen beraubt.

Die sich natürlich regelnden Jäger-Beute Zyklen, von denen ich in der Schule gelernt habe, sind hier ihrer Natürlichkeit enthoben. Hier gibt es keine Jäger-Beute Zyklen, weil die Nahrungskette eine andere war. Ohne menschliches Eingreifen bedeutet das, die einzigartigen Bodenbrüter ihrem Untergang zu weihen. Naturschutz heißt Kleinraubtiere umbringen, die endemische Arten gefährden.

Dasselbe gilt auch für die Pflanzen.

„Sycamores are the pest,“ höre ich die Nachbarn, sich über die Bemühungen in ihren Gärten austauschen. Also heißt es, diese Ahornbäume vernichten, damit die heimischen Pflanzen wieder eine Chance haben. Ganz Hänge sehen verwüstet aus, wenn wir durch die Gegend fahren. Sie sind im Zwischenstadium, um im Anschluss, wieder einheimische Arten zu pflanzen. Und gepflanzt wird überall.

Der Mensch hat ein fragiles ökologisches Gleichgewicht zerstört, ein Biotop vernichtet, in dem er Tiere und Pflanzen mitgebracht hat. Jetzt versucht er zu retten, was zu retten ist. Vielleicht ist es ein Glück, dass es einen Feind gibt, eine Aufgabe, über die Einigkeit besteht. Und vielleicht ist es der erklärte Feind, der die verschiedenen Gruppierungen über unterschiedliche Herangehensweisen hinwegsehen lässt und dadurch so viel in Bewegung setzt.

Und die Veränderungen sind hörbar – in bestimmten Regionen, wo die Predator free Aktivitäten vorangeschritten sind, lausche ich einem berauschenden Gezwitscher. Ich kann schon den Tui, den Magier unter den Vogelstimmen erkennen.

Und sichtbar sind die Anstrengungen allemal. In der Gegend um Punaikaki werden gerodete Flächen von der Organisation Conservation Volunteers New Zealand (CVNZ) seit 2008 wieder aufgeforstet. Rund 500 000 einheimischen Bäumen und Sträucher wurden gepflanzt. Da wo zuvor nur flaches ehemalig genutztes Farmland war, sind jetzt wieder wunderbare Wälder gewachsen.   

So kann ich alles gleichzeitig sehen.

Es ist möglich ein Paradies zu zerstören.

Es ist möglich, verwüstete Orte wieder in ein Paradies zu verwandeln.

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