Das Wunder der Zuwendung

Drawing Mountains from Memories extends an invitation to our audience to get lost in their own creative process, free from instruction and interference. It celebrates and values your own expression.

Homepage of the Art Gallery in Dunedin

Ich bin in der  Art Gallery in Dunedin. Die Ausstellungen hier kosten keinen Eintritt und ich kann kommen und gehen wie ich möchte.
Es wird eine Retrospektive von Marilynn Webb (1937 – 2021) gezeigt, einer hiesigen Künstlerin.
Einige Bilder sind Landschaften, die auf Formen verdichtet sind, die etwas ganz Ornamentales für mich ausstrahlen, fast Hermetisches. Sie genügen sich selbst. Und gleichzeitig laden sich mich ein, zu verweilen, mich zu verlieren und zu fokussieren gleichzeitig. Und andere Beobachtungen am Strand zu machen und mit meinen Aufnahmen zu spielen.  

Tangata and whenua. People and Land. Die Kraft der Verbindung von Menschen und Land.
Immer wieder begegnen mir hier Himmel, Wasser, Land, Mensch. Marylinn Webb wird auch als Aktivistin und Feministin vorgestellt, die sich der Verletzlichkeit von Landschaft hingibt. Sie war eine der Pionierinnen, die den Kunstunterricht in Neuseelands Schulen gewandelt hat, hin zu etwas genuin Schöpferischen, um dem Ausdruck eines jeden Kindes Raum zu lassen.

„Kraft finden in der Umarmung der Hügel“, wird die Künstlerin zitiert.
Ja, denke ich, so fühle ich mich hier auch, wenn ich auf den Mopanui vor mir schaue, der etwas weibliches Umarmendes für mich hat, als Teil der Hügelkette in der Purakaunui Bay. Sie wirkt auf mich wie ein weiblicher Schoß. Ein aufnehmender Schoß. Ein mich aufnehmender Schoß, in dem das Wasser im Licht der Nachmittagssonne in einem hellen Türkis schillert. Heute Morgen, nachdem ich mich laufend genug aufgewärmt habe, um mich in die kalten Fluten zu stürzen, höre ich ein Schnauben, das nach genussvollem Schwimmen klingt. Ich schaue mich um und entdecke einen Seelöwen, der sich mit dem auslaufenden Wasser aufs Meer hinaus treiben lässt. Also wenn das keine Einladung ist. Auch wenn ich froh bin, dass der kräftige Gefährte außer Sichtweite ist. Heute Nachmittag läuft das Wasser gerade wieder vom Meer hinein in die Bay und beim Schwimmen spüre ich, dass die Flüsse aufwärts fließen. Ehe ich mich versehe, treibe ich in die andere Richtung ab. Da ist dieses kalte, salzige, klare Wasser, draußen der frische Wind und ich muss kräftige Schwimmzüge machen, um gegen diese Strömung des auflaufenden Meeres zu meinem Platz zurückzukehren.

Vor einigen Tagen hat Dave mir einen Klumpen Ton hingeworfen, zum Herumspielen. Also spiele ich. Eine lesende Liegende, eine eingerollte Schlafende und ein Seelöwe werden Zusehens zu Geschöpfen, die sich durch meine Hände gebären. Da wo eben nur ein Klumpen Ton war, ist jetzt einfühlen, Leben einhauchen, Ausdruck verleihen, spielen. Vielleicht nicht von Dauer, aber für den Moment des Glücks.

Da soll die Künstlerin noch einmal zu Wort kommen:

It`s nothing to do with drawing landscape, it’s to do with connection

Marylinn Webb

2 Gedanken zu “Das Wunder der Zuwendung

Hinterlasse einen Kommentar