An meine Künstlerin

Mein letzter Tag in Purakaunui für dieses Jahr, ein letztes Mal steige ich die Leiterstufen zu meinem Writersretreat nach oben.
Was war das für eine reiche Zeit, was für ein Geschenk des Lebens an mich, dass meine meine Künstlerin hier zum Zug gekommen ist. Ich erinnere mich an einen Text, der in einer Schreibwoche im April 2022 im Haus des Künstlers Otto Bruderer entstanden ist, in dem ich mich meiner Künstlerin zuwende. Ich finde den Text auf meinem Laptop und lese ihn:

Ich sehe mich in meinem Zimmer, vielleicht bin ich 16 Jahre alt und ich zeichne eine alte Kaffeemühle ab, in der wir Kinder immer das Knäckebrot gemahlen haben, weil wir nichts anderes fanden. Die Kaffeemühle hatte unten die Lade, aber oben eine kreisrunde Kugel, die mit dem zerstückelten Knäckebrot von uns befüllt wurde. Unser gemahlenes Knäckebrot klebte trocken im Mund, fast staubig, wenn wir es in uns hineinlöffelten.
Diese Kaffeemühle wählte ich mir als Objekt, um den Geist der Gegenstände auf meinem Papier sichtbar zu machen. Als ich den aufgeschnittenen Kürbis mit den Kernen und dem Fruchtfleisch zeichnete, ließ ich meine Hand mit dem Bleistift von der Kürbisenergie führen.
„Kürbis, zeig mir deine Essenz, zeig mir, was dich ausmacht, zeig mir deine Höhlen, deine Fasern, die die Kerne bergen, zeig mir dein Wesen, offenbare dich mir“.
Und der Stift in meiner Hand drückte sich fest ins Papier um gleich darauf wieder leicht zu werden und schnell und die Fasern zusammen zu führen, ganz viele feine und dann wieder fest, die Konturen des Kerns, aber nur die Spitze, ganz viele Spitzen und viele Härchen und alles ganz wolllustig und fruchtbar.
So also war ich Kaffeemühle und Kürbis, vergaß mich, verlor mich, gab mich hin, ließ mich besetzen und war besessen, den Kürbis auf’s Papier zu bannen.
Ich zeichnete in Kursen im Volksbildungsheim an der Eschenheimer Anlage. Ich wollte mehr Input. Der Künstler, der den Kurs anleitete hieß Günther Husemann und war im ersten Beruf Buchhändler. Wir zeichneten auf Rowohlt Buchpappen, die nicht zu Buchumschlägen verarbeitet worden waren. Sie waren in kräftigen Farben und wir durften wählen. Vielleicht wählte ich den Kirschgarten von Tschechov in einem Orange oder die Hexenjagd von Miller in Magenta, ich weiß es nicht mehr. Was ich noch weiß, war, dass wir in simplen Collagen übten, wie Farben und Formen auf einem abgegrenzten Papier in Beziehung traten. Ein rotes Quadrat ging eine Beziehung mit einer Linie ein. Wie wollte die Linie das Quadrat dirigieren? Damit spielten wir. Leidenschaftlich wie ich bei der Sache war, bezog ich auch den Künstler in meine Schwärmerei mit ein. Mit Günther und Marion, einer anderen Kursteilnehmerin, freundete ich mich an und wir kochten griechisch, malten in Günthers Gartenhaus und ich zeichnete seine Geige. Ich liebte fortan Kurt Schwitters und Dada, lernte Merzgedichte auswendig und ging ins Städel, um mir Originale anzuschauen. 

Das allumfassende leidenschaftliche Lieben in Ateliers behielt ich bei. Jedenfalls bei Professor Kohrhammer im Fürstenberghaus in Münster zu Beginn meines Studiums, in dessen Atelier unterm Dachstuhl ich zeichnete und malte. Jedes Mal stand ich mit klopfenden Herzen vor der Türe unterm Dach, angestrengt von den vielen Stufen oder aufgeregt, weil ich gleich diesem hochgewachsenen schlanken Mann begegnen würde? Ganz der Künstler mit kurz geschorenem Haar und markantem Kopf. Ich erinnere mich an graublaue Augen. Wenn er in seinem Atelier das Tau und die Blechdosen für die Stillleben arrangierte, gefiel mir, wie er die Dinge auf seine Art entschieden und sanft zugleich anfasste. Der beträchtliche Altersunterschied machte die Künstler nicht weniger attraktiv für mich. Ich jedenfalls fühlte mich in seiner Gegenwart gemeint und seine zurückhaltende Zugneigung beflügelte mich. So klebte ich das zuvor befeuchtete Packpapier mit Klebeband auf dem Untergrund fest, grundierte es lasierend, verrieb mit meinen ganzen Handflächen nacheinander durchschimmernde Farbtöne. Ich massierte das Papier regelrecht und es bildeten sich zufällige Konturen, die Geschichten in einem geheimnisvollen Dschungel andeuteten.

Mit Susu, einer Kunststudentin der Akademie der Künste freundete ich mich an. Wir wählten das Seminar die Synästhesie der Sinne und das Seminar im Landesmuseum, in dem wir uns einzelne Künstler und ihre Werke uns gegenseitig vorstellten. So malte ich zur Musik, vertiefte mich ins Leben von Hans Arp uns Sophie Täuber-Arp, reiste allein nach Kassel und streifte auf der Documenta herum. Ich erinnere mich an eine Video Installation von Bruce Naumann im Eingangsbereich, brüllende Glatzköpfe, die sich drehten und an eine Installation von Rebecca Horn, bei der alte Schulstühle eines Klassenzimmers an der Decke angebracht waren und die Bildungswelt Kopf stand. Ich zog mit meiner Kamera durch die Gegend und fotografierte Treppenhäuser, die sich wie Schneckengehäuse vor meinen Blicken wandten und war ganz im Glück.
Nach diesem Wochenende fuhr ich wieder zu meiner sterbenden Mutter, die in einer dafür denkbar ungeeigneten Kurklinik im Sauerland untergebracht war. Wir bewohnten gemeinsam ein Zimmer.
Ich zeichnete sie.
Mein Stift suchte ihre spitzer werdende Nase, ihre Haare, die rappelkurz nachgewachsen waren, ihre geschlossenen Augenlider, ihren Kopf, der auf ihren Händen lag.
Ich verarbeitete Brechschalen, Beipackzettel und Medikamentenverpackungen auf einer großen Collage, die ich innen an der Türe aufhängte.

Nach dem Tod meiner Mutter hörte ich auf Psychologie zu studieren und zog nach Bochum, ging dort ans Figurentheaterkolleg. Wochenweise wurde unser Jahrgang unterrichtet in Stimme, Schauspiel, Zeichnen, plastischem Gestalten und einem mehrwöchigen Figurenbauprojekt. Ich zeichnete Schädel von Ziegenbocken noch und nöcher. Ich hatte Schmerzen im Unterbauch, die mich quälten mit Todesängsten. Trotzdem vertiefte ich mich in meine Plastik, verstrich und verstrich den Ton. Doch meine Skulptur eignete sich schlecht für die Gipsform und das Ausgießen im Anschluss. Trotz Hingabe eine Strapaze und ein Desaster. (…)  

An meine Künstlerin. Danke, dass Du mich so oft in meinem Leben gerettet hast.  

Die vergangene und die gegenwärtige Künstlerin.
Wie weit meine Geschichte weg ist, hier im Writersretreat und wie nah sie mir gleichzeitig rücken kann.
Dramen, Traumen, Höllen und Höhenflüge.
Verletzlich und zäh, nicht ganz greifbar und sehnsüchtig sieht die junge Frau von hier aus.

Und die gegenwärtige Künstlerin?
Mir fallen einzelne Wörter ein:
feinsinnig, sich zumutend und weiterziehend / heilsam, heilsam, heilsam / sichtbar, lebendig, gestaltend / sich verbindende Fragmente / zusammenfügen, überleben, Halt schenken / verdichtete Phasen, die sich wieder verlieren / die Königin der Kelche
Es war ihr eine Freude, hier aus dem Vollen zu schöpfen.
Der Raum, den sie in mir bezogen hat, der ist groß und ruhig, voller Vogelstimmen. In diesem Raum ist sie angekommen. Dieser Raum bleibt, in welcher Form auch immer. Das was hier begonnen hat, geht weiter.

Ein großer Dank an den, der das Writersretreat geschaffen hat – ich komme wieder.

Matariki

Es gibt sie also doch, denke ich beglückt und auch etwas triumphierend bei mir, die jahreszeitlich eingebetteten Rituale der Maori, die es seit zwei Jahren auch bis zu einem gesetzlichen Feiertag geschafft haben.
Matariki ist ein Sterncluster, bei uns als Pleiaden bekannt, dass am östlichen Winterhimmel in den frühen Morgenstunden im Juni/Juli in Neuseeland zu sehen ist. Während dieser Phase feiern Maori ihr Neujahr. Matariki ist der Name des am hellsten leuchtenden Sternes, der von den Maori als Mutter geehrt wird, die sich um die 8 Kinder kümmert: Pōhutukawa, Tupuānuku, Tupuārangi, Waitī, Waitā, Waipuna-ā-rangi, Ururangi, Hiwa-i-te-rangi, Ururangi, Tupuarangi. Jedes dieser Kinder hat wiederum eine eigene Bedeutung, die während der Zeremonien zum Beispiel in Form der Essenszubereitung eine Rolle spielen.
Der Matariki Feiertag ist der Freitag in dieser Zeit und liegt somit jedes Jahr an einem etwas anderen Datum. Maori haben viel Wissen über Sterne gesammelt, das die Grundlage für vieles ist, nicht nur für die Feier des neuen Jahres. Sie beobachteten die Bewegungen von Sonne, Mond und Sternen genau, verbanden sie mit den Zyklen der Natur und hatten so einen Kalender für Saat, Ernte, Fischerei und Jagd, der mündlich überliefert wird.
Wenn die Ältesten das Sternenbild klar am Himmel aufscheinen sehen, werden alle die seit des letzten Matariki verstorben sind in Gegenwart des Sternbildes benannt. Sie glauben, dass Matariki sich um die Verstorbenen kümmert und wenn das Sternbild am Himmel steht, steigen die Seelen der Verstorbenen zu Sternen auf, unterstützt durch die Tränen und Trauer der Angehörigen. Zu der Zeremonie gehört auch, bestimmtes Essen aus Garten, Wäldern, Flüssen und dem Ozean in einem offenen Erdofen zu kochen, damit der aufsteigende Dampf die Sterne nähren kann. Nach der Zeremonie wird mit Tänzen und Gesang und Essen gefeiert.
Wenn sich die Sterne versammeln, sollen sich auch die Menschen treffen, sagen die Maori.

Als erstes erzählt mir Katie von Matariki. Die Steiner Schule in Wellington hat schon lange berührende Rituale zu Matariki, in denen die jeweils ältesten Schüler am Ende eines Fackellaufes das Feuer entzünden. Die Steiner Schulen in Neuseeland waren wohl schneller damit, die jahreszeitlichen Feste zu integrieren als die Regierung.
Jetzt fallen mir überall die Plakate mit den Veranstaltungen zu Matariki auf, die Maori Tänze und Gesang auf die Bühne bringen. Als ich meinem Sohn von den familiären Ritualen zu Matariki vorlese, sagt er, „das klingt wie bei uns die Raunächte“.
Genau, denke ich, es ist ja auch die dunkle Zeit, in der sich die Natur zurückzieht, die bestimmte Rituale nahelegt. Neben dem zusammen kommen in der Gegenwart, gutem Essen und Spielen mit Freunden und Familie, wird nicht nur der eigenen Vergangenheit gedacht und für diese gedankt, sondern die Verstorbenen werden wie oben beschrieben begleitet bei ihrem Aufstieg zu den Sternen. Dann wird auch in die Zukunft geschaut, geplant und visioniert.  
Ist es nicht faszinierend, wie jenseits von Religion in allen Kulturen jahreszeitliche Rituale ihren ureigenen Ausdruck finden?
Die Verstorbenen als Sterne.
Ich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen, erinnere mich daran, wie ich als Jugendliche nach den letzten Seiten des kleinen Prinzen von St Exupéry aus dem Fenster im Badezimmer in den Sternenhimmel schaue, zutiefst aufgewühlt, traurig und getröstet zugleich.

Wir sind am Matariki Feiertag bei Marina und Neil eingeladen, Daves Grundschulfreund. Zuvor gehen wir noch zu Mitre 10, in den Baumarkt. Dave braucht noch Materialien für eine Schutzhütte, um seinen neu gekauften großen Gasbrennofen sicher zu beheimaten. Also wir sind ganz alltäglich unterwegs. Feiertage und Sonntage haben hier keinen Einfluss auf Ladenöffnungszeiten der großen Märkte.
Weil wir doch nicht so viel Zeit im Baumarkt verbringen, schlage ich vor noch eine Galerie zu besuchen, die schon lange auf meiner Wunschliste steht. Um fünf vor fünf betreten wir die Fe29 Gallery, die um fünf Uhr schließen soll. Es stellt sich heraus, dass zwei besondere Galeristinnen die Vereinbarkeit von Wohnraum und Ausstellung in Haus und Garten eindrücklich leben und zudem nicht müde werden, uns mit Leidenschaft sofort alle Werke, Lebensgeschichten ihrer durch sie vertretenen KünstlerInnen vorzustellen. In der Geschwindigkeit der Vorstellung kann ich kaum folgen, aber die gegenwärtige Ausstellung von Viky Garden gibt mir Zeit zu verweilen. Eine Künstlerin, deren Bilder mich unmittelbar ansprechen. Selbstportraits in denen soviel zu lesen ist.
Ihre Auseinandersetzung mit der Demenzerkrankung ihrer Mutter findet in Form von 40 Birnen im handgeriebenen Tiefdruck statt. Eine Birne ist eine Birne ist eine Birne. In den 40 Birnen, die in der Form identisch sind, sich aber im Druck unterscheiden, spüre ich etwas von allem: Ärger, Aufruhr, Verletzlichkeit und die scharf, poetisch aufscheinende Schönheit des Moments. In der Mitte hängt groß ein Bild mit dem Titel Erinnerungsstuhl, auf dem wieder die vertraute Selbstporträt Figur sitzt, die mich als Betrachterin anschaut. Trotz des Blickkontakts ist da eine Leere in den Augen der Anderen, die mich berührt, verstört und erreicht.
Themes of impermanence and change that I continue to study and document in my art practice, schreibt die Künstlerin.
Das ist es doch, um was es geht. Themen, die mich in meinem Leben berühren, in meiner Kunstpraxis zu verdauen, zu verdichten, zu gestalten, zu erforschen und zu bezeugen.

Wir kommen etwas später als angekündigt bei Neil und Marina an, voller unerwarteter Erlebnisse. Ich bin zum ersten Mal in deren Haus in der Stadt, obwohl sich die beiden für mich wie Familie anfühlen und wir uns schon häufig in Purakaunui getroffen haben, wo sie auch ein Zuhause haben. Das Gefühl von Ausstellung und Wohnhaus geht direkt weiter. Das ganze Haus beherbergt unzählige Keramikskulpturen von Jim Cooper, die diese Räume mit uns lautstark bevölkern. Neil und Marina haben eine ganze Ausstellung aufgekauft. Es ist einfach so beeindruckend, dazu von einem Holzkünstler gestaltete Treppenstufen mit Schnitzereien und Intarsien Arbeiten. Jim Coopers Figuren strotzen nur so vor Grenzen sprengender Lebendigkeit, ebenso wie seine Gemälde.

In dieser Gesellschaft lässt es sich wunderbar feiern, zusammen mit Neil und Marinas Tochter, ihrem Mann und meinem Sohn, der gerade zu Besuch ist. Marina hat Auflaufformen mit leckerem Essen gefüllt. Die vegetarische Form ist ein indonesisches Rezept mit Kartoffeln, Erdnusssoße, Gemüse und die andere Form ist mexikanisch mit Maismehlfladen, Hähnchen, Chili, Tomaten, dazu Guacamole, Saure Sahne und Chilisauce. Eine weitere Platte mit frischen kleinen Salatblättern, Äpfeln und gerösteten Pistazien lassen diese festliche Tafel strahlen. Rituale gibt es keine, dafür lebendige Gespräche über Politik, Kunst, Reisen, das Leben.

Hier regnet es gerade und es ist grau. Die klaren Nächte habe ich wohl verpasst, um nach Matariki Ausschau zu halten. Aber vielleicht habe ich Glück und es ist mir noch ein Blick auf die Matariki Familie gegönnt in einer der hoffentlich kommenden klaren Nächte. Mein Wintersonnenwendfeuer kam ohne bestimmte Sterne aus.
Während unseres Neujahrs 23/24 saßen wir im Flieger, sind mit der Zeit geflogen und der eine Moment des Neujahrs hat sich in den Lüften aufgelöst. Es fühlt sich stimmig an, in dieser Phase des Maori Neujahrs mich zu verabschieden und langsam meine Heimreise in das vertraute Neue oder neue Vertraute anzutreten.

Ich werde mit dem Finger auf den Schatzkarten meiner Erinnerung an diese Zeit auf den Inseln entlangfahren, staunen, wie die Schätze funkeln. Viele werden jenseits der Karten in mir schwingen, mich für andere Resonanzräume empfänglich machen und es wird etwas entstehen, was Erfahrungen und Welten und Menschen verbindet.

die Schreibende malt

Meine Beine schmerzen, aber ich es sind nur noch wenige Kilometer. 4 Tage sind wir gewandert auf dem Heaphy Track, jeden Tag tat sich eine neue faszinierende Landschaft auf. Es war unglaublich. Die letzte lange 24 km Etappe schaffe ich auch noch. Während ich meinen Schritten lausche, kommen mir Bilder. Ich sehe mich, wie ich auf alten Landkarten male. Als wären alte Landkarten Pläne, um Schätze zu finden. Dafür brauche ich Platz, ein Atelier. Und auch wenn wir völlig abgeschieden wohnen, sehe ich mich in einem großen Atelier, in das ich mit dem Fahrrad komme.

Am nächsten Tag erzähle ich Dave davon, der zweifelt, ob ich ein Atelier in Purakaunui auftun werde. Dafür hält er auf dem Rückweg gleich in seinem Lieblings-Secondhandbuchladen, um nach alten Landkarten Ausschau zu halten. Die alten Landkarten sind kostbar. Jedenfalls kosten sie ihren Preis.

„So what. Go for it. Nimm Dich ernst“. Ich muss mir Mut zusprechen, um der Zweiflerin den Wind aus den Segeln zu nehmen.

„An Eingebungen mangelt es dir ja nie, du willst viel zu viel wenn der Tag lang ist, da brauchst du nicht jeder hergelaufenen Eingebung zu folgen“, höre ich meine Zweiflerin fast panisch auf mich einreden. Ich wähle Landkarten, überwiegend Meer, Land nur jeweils in einer Ecke und einen alten Schulatlas, vielleicht aus den 60gern. In diesem Buchladen in Lyttleton ist das ein guter Anfang. Es folgen noch etliche weitere Buchläden und weitere Karten.
Zu meiner Eingebung gehört auch, auf den Landkarten mit Epoxidharz zu arbeiten. Epoxidharz, das Dinge konserviert. Ich will etwas von diesen Karten bewahren. Etwas von dem, was da gedruckt und festgehalten wurde. Geht es ums bewahren, wenn sich doch alles wandelt? Karten, auf die keiner mehr schaut und die dennoch kostbar sind. In mir will etwas Ausdruck finden, was ich noch nicht benennen kann. Ist es mein Versuch, die Welt, wie sie ist zu feiern, auch wenn Wasserspiegel steigen und Küstenbesiedlungen gefährdet sind? Oder ist es pure Nostalgie? Oder will ich die Menschen um Hingabe an diese weise, berührende Natur anflehen, den allergrößten Schatz überhaupt, den ich gefährdet und kraftvoll spüre?

Dave schlägt vor, eine E-Mail in den lokalen Verteiler zu setzen mit meiner Frage nach einem Atelier. Das Leben ist auf meiner Seite, es gibt genau den Ort, wie ich mir keinen besseren hätte erträumen können. Davon habe ich im Blogbeitrag it matters geschrieben. Deshalb kann es hier weiter gehen mit einer Einkaufsliste. Acrylfarben, Tusche, Tinte, Pinsel, Pasten, Pappteller, Pappbecher, Plastikhandschuhe, Cutter, Klebeband und Harz und Holzplatten und Leim, steht auf einer Papiertüte mit Filzschreiber.

Mitre 10 heißt der Baumarkt, wo ich die Holzplatten kaufe. Auch das Epoxidharz bekomme ich da. In zwei weiteren Läden füllen sich die Einkaufskörbe und mein Blick auf die Liste macht immer mehr Haken.  

Ich erinnere mich, wie ich mit dem Pick Up meine Materialen ins Atelier bringe. Ich bin aufgeregt, als würde ich zu einer großen Expedition aufbrechen. Mein Mund ist trocken, als ich mit dem Auto rangiere und die Materialien ins Atelier befördere.
Es ist ja meine große Expedition. Meine Künstlerin darf sich räumlich und zeitlich ausbreiten. Ich nehme sie ernst, setze meine Ideen um.  

Ich fange an mit dem alten Schulatlas zu experimentieren, einzelne Seiten aufzukleben. Wie kann ich Grenzen schaffen, die das Epoxidharz auffangen? Von Silikon über Reliefpaste, über Faltungen und Schablonen, über Ton, ich lasse mir viel einfallen. Und was, wenn ich das Epoxidharz in einem bestimmten Stadium der Festigkeit einfach laufen lasse? Kann ich es wie eine Farbe nutzen? Und wie bekomme ich die Blasen weg? Wieviel Tinte brauche ich, um das Harz zu färben, wie laufen unterschiedlich gefärbte Harze ineinander? Wie finde ich das richtige Mischungsverhältnis zwischen den Komponenten, die ich zusammen rühren muss?

Es gefällt mir, dass das neue Medium meine Arbeitsweise vorgibt. Auch wenn ich deshalb erstmal nicht ins Malen komme, weil ich noch ziemlich ehrfürchtig mit Harz und Karten umgehe. Ich will nicht ehrfürchtig sein, nicht anhaften, nicht zu früh ans vollendende Gestalten des Entstehenden denken. Aber hier spiele ich sofort mit dem, was die Harzformen mir an Assoziationen schenken. Aus zwei schwarzen Kreisen werden Eulenaugen. Ich arbeite rund geschliffene Muscheln ein und bilde einen Kreis aus magischen Geschöpfen im Meer.
Alte Straßenkarten, die Dave noch hatte, lege ich im Garten aus, um sie Wind und Wetter zu überlassen. Aus diesen mit Spor Flecken durch setzten, zerrissenen Karten entstehen skulpturale Landschaften mit Papierschiffen und Papierfliegern darin. Ich male sie an und gieße sie mit Epoxidharz aus.

Um mich doch noch etwas auszutoben malerisch, fange ich die Schatten der Flachs- und Farnbüsche im Garten ein. Schönheit. Auf diese Tuschebilder gestalte ich mit Farbe und klebe Teile von Landkarten hinein. Banks Peninsula wird der Kopf eines Wesens mit ausgebreiteten Armen inmitten eines Farndschungels. Beauty und Despair. Dann noch Epoxidharz hinein ins Ringen zwischen von Menschen geschaffenen Werken und Natur. Es wird klebrig. Es ist lebendig.

Ich schreibe einen Text: I love Maps.
Ich schreibe Texte zu meinen Bildern.
In Worte fassen, was mit mir passiert kann ich nicht.
Ich male längliche Formate 60 x120 cm, entsprechend meiner Spanplatten, auf die ich das Papier aufklebe.
Ich bin euphorisch und werde mitgerissen vom Flow, der übernimmt. Ich hole aus, lasse die Farbe vom Pinsel sprengen, male mit Lappen, mit Händen, mit dem ganzen Körper, im Freien, auch wenn es kalt ist. Nicht mehr ich male, es gestaltet sich. 
Ich verliere mich in der Belanglosigkeit meines Schaffens und bin ausgelaugt.
Ich mache eine Pause von den Karten, male schöne große Bilder auf aufgeklappten Kaffeebohnensäcken, mit magischen Spiegeln und Blütenträumen, die ich allesamt verschenke.

Es wird noch kälter und das Harz lässt sich nicht mehr gut verarbeiten und trocknet nicht richtig. Ich vergesse das Harz und kehre zu meinem Anfang als Künstlerin zurück, zur Collage. Diesmal ist es der Blick auf das Meer, der zum Ausgangspunkt wird. In diesen Himmel und dieses Meer klebe ich ausgerissene Fetzen von Karten, mal mit Falten aufgeworfene Häute, die von den farbigen Flächen mitgerissen werden. Es fühlt sich vertraut an. Reißen, kleben, versenken, aufscheinen lassen. Vielleicht kehre ich Heim.

I LOVE MAPS

I love to watch the world on the table or on the wall. Land, mountains, deserts, seas. My finger walks along, points at the track, I hiked and the city I visited on the way. All these people who dedicated their lives to discover the sea and the land. They are the ones who delivered the material to draw maps. Now I can look at the map and long for the world to be discovered by me.

What is so special about maps I still try to figure out. 

Maps give an overview.
Maps help me to orientate myself in the world.
Maps help me finding out, where to go.
Maps invite me to find my way. Nowadays google maps fills this need.
Maps reflect our human perception of the world.

Former maps prove the impermanence of the world we figure out it is. Starting from the national borders. Wars come and wars go – borders change. But also we might have overestimated that the world will remain the same world we built our belief systems and our houses on.

What comes next?

How we can deal with the changing world, whose natural reaction of exploitation we are confronted with. A world which becomes less predictable, not only because of the loss of species and ground and stability. And lets say the genius of mankind created options which may overrule the possibilities.

I start with an old New Zealand school atlas for my first experiments. The world political inspires me differently than oceania communication. The first discoverers I start feeling this admiration, for their commitment, their willingness to risk their lives, stepping into unknown realms. So maybe we are stepping into unknown realms again. The climate diagrams are all yellow and red as the once I look at so often now.
What are we willing to risk though?
What do I discover and rediscover while stepping out and working on maps?

I can’t take anything for granted. No government owes the fulfilment of our ever growing living standards, nor does life or the environment. I’m seeking ground to stand on, I’m seeking a safe place to open my heart. With an open heart I love and care. I seek for being humble. What a blessing I can express myself doing what I do. Embracing beauty and despair, pain and relief. To love the world I live in.

I want to cry and care and contribute.

We live in a fragile world. Collapsing or cocreating a better world. I feel tenderness as I relate to the world on maps. The map remain precious, reveals the fragile world and the fragile me. The world reaches out to me and touch that inner essence of being human. Wants me to clear my thoughts and feelings and disturbances to engage for what I can do.

My joy when the resin is licking its own way is equally part of my life as the moments of despair when conflicts are deepening and people are killed in wars, wasting resources. My enthusiasm in the process of creation is as real as my stress, triggered in situations where life challenges me in my own little world. I realize that my autonomous nervous system has a life on its own and I can train myself to deal with it. I am a world of my own and I sort of continuously discover and rediscover the seas and mountains and borders in my inner landscape. I wander and wonder. And I draw my own map.

So lets draw our own maps and extend the inner landscape to the world around and include the world around into our inner landscapes. Let’s get lost and find the orientation we need to care and contribute towards the world we want to live in.

Gab

The Inland Pack Track

„That has been the best two day tramp I’ve ever made“, Dave exclaimed after we reached Fox Mouth the second day and finished our two day tramp.

“Finally I experienced the famous River Crossings in New Zealand “, has been my comment.

44 Flussdurchquerungen waren es genau, versichert uns Sue an der Rezeption des Camping Platzes, als wir wieder einchecken.

Doch jetzt fange ich von vorne an zu erzählen von unserer zweitägigen Wanderung.

Der Inland Pack Track startet auf einem Wanderparkplatz ganz in der Nähe von Punakaki, an der Nordwestküste der Südinsel Neuseelands. Empfohlen nur für erfahrene Wanderer, die vor allem Ahnung haben, was es heißt, Flüsse zu durchqueren. Bei den an der Westküste starken Regenfälle schwellen die Flüsse schnell an und werden zu reißenden Läufen, unpassierbar für Wanderer. Deshalb sind tragische Unfälle von Wanderern auch weniger die, bei denen Menschen abstürzen, als die, bei denen Menschen bei Flussdurchquerungen stürzen und zu Tode kommen. Also die Warnungen sind nicht umsonst und der Track eignet sich nur, wenn es einige Tage nicht geregnet hat und das Wetter stabil ist.

Uns gönnen die Wettergötter die Wanderung und wir können wie angedacht starten. Die Wanderzeit am ersten Tag beträgt laut Info ca. 8 Stunden, am zweiten Tag nur noch 2,5 Stunden.

Wir haben unser Zelt im Gepäck, sowie genug zu essen, den Kocher, Schlafsäcke und Isomatten.

Kleiner Exkurs zu Wanderungen in Neuseeland.
Mehrtageswanderungen gibt es viele, doch unterscheiden sie sich in vieler Hinsicht von Hüttentouren in den Alpen. Hier sind Backcountry Wanderer auf eigenes Essen angewiesen, da keine der Hütten eine Infrastruktur hat, wie wir das in den Alpen gewohnt sind. Die Hütten sind einfache Schutzhütten. Es reicht von einer Feuerstelle, Plumsklo und Wasserhahn mit unbehandeltem Wasser bis zu Hütten mit Gasherden und Toiletten mit Wasserspülung. Bei den sogenannten Great Walks, den als schönsten Mehrtageswanderung vermarkteten Touren, ist der Standard eher mit Gasherd und Toiletten mit Wasserspülung. Da bleiben die nicht ganz Outdoor affinen Menschen ohne vollständige Ausrüstung in ihrer Comfort Zone. Das ist sicher auch der Grund, warum die Great Walks unmittelbar nach der saisonalen Freischaltung der Hütten ausgebucht sind. Aber es gibt auch Websites, die frei gewordene Plätze (dies gilt bei den Great Walks auch für Zeltplätze) wieder an Interessenten weiterleiten. 

Da Wandern ein Markt ist, gibt es eine große Auswahl an Backcountry Mahlzeiten, die nur mit Wasser aufgegossen werden, direkt in die Verpackung, die sich als Essensschale eignet. Als erschöpfte Wanderin bin ich dann rundum mit Nährstoffen im schmackhaften Curry, Turkish Fallafel oder Peri Peri versorgt. Auch Frühstücksbreis sind im Back Country Angebot.

In unseren Rucksäcken ist neben Back Country Mahlzeiten unsere eigene Müslimischung. Tagsüber gibt es Thunfisch auf Cracker. Konzentriertes Eiweiß und leichte Kohlenhydrate. Das hat sich bewährt. Den Kaffee gießen wir als Cowboy Kaffee auf, die gemahlenen Bohnen rühren wir um und warten, bis sich das Pulver gesetzt hat. Funktioniert hervorragend.
Zurück zu unserem Inland Pack Track, der übrigens nur einen Zeltplatz mit Plumsklo als Übernachtungsmöglichkeit anbietet.
Wir beschließen dem Pororari River Track als Einstieg zu folgen. Da der Inland Pack Track kein Rundweg ist, sind wir auf Mitfahrgelegenheiten für die Rückkehr zum Ausgangspunkt angewiesen. So macht es allemal Sinn, direkt an der Durchgangsstraße zu starten.
Es ist noch früh am Morgen und der Weg im Flusstal des Pororari Rivers wirkt verwunschen. Ein Flusstal mit Farnbäumen und Palmen zwischen Kalksteinfelsen. Der heimische Busch und Wald entzückt mich immer wieder aufs Neue. Ich bleibe stehen, schaue, fotografiere. Andere Wanderer sind noch nicht unterwegs. Nach etwa einer Stunde überqueren wir den Pororari River auf einer Brücke und kommen nach einer weiteren Stunde zur Abzweigung zu den Cave Creek.
Eine unprofessionell gebaute Aussichtsplattform hat 1995 zu einem tragischen Unglück geführt. Auf einer Exkursion füllte sich die Plattform mit Studierenden, brach zusammen und 14 Menschen starben beim Sturz 49 Meter in die Tiefe. Fotos erinnern an der Abzweigung an die Verstorbenen. Da noch ein langer Tag vor uns liegt, entscheiden wir uns dagegen, die Wanderung um 1,5 Stunden zu verlängern. 

Wir verlassen das Flusstal und kommen durch ein Sumpfland, wo gerade von den CVNZ (https://conservationvolunteers.co.nz/New Zealand Conservation Volunteers), eine weitere Wiederaufforstung im Gange ist. Die Organisation hat in dieser Region seit 2008 schon 500 000 einheimische Bäume wieder angepflanzt. Gestern haben wir mit Genna, einer Mitarbeiterin von NZCV gesprochen, die uns auf der Karte das Gebiet gezeigt hat. Im ganz sumpfigen Bereich, erholt sich die Natur von selbst. In den Bereichen, die von Farmern trocken gelegt wurden, wird gepflanzt. Hier sehen wir die neu gepflanzten Bäume, die noch mit weißen Zylindern versehen vor den Tieren geschützt werden. Genna empfahl uns auch ein sinkhole, eine Stelle, wo der Fluss in den Boden eintritt und unterirdisch weiter fließt. Wir halten danach Ausschau und fallen in Löcher, die mit Gras überwachsen sind bei unseren Versuchen, ans Flussufer zu kommen. So ganz nach der von Genna beschriebenen Stelle sieht es nicht aus, aber wir bleiben dennoch für unsere Mittagspause.

„Ah, that’s the place Genna described“, sagt Dave, als wir ein paar Minuten unseren Weg fortgesetzt haben. „I thought it didn’t look like the place Genna was talking about. Especially as she said, you can’t miss it“. Eine wunderschöne Badestelle, mit Felsen und einladendem Wasser. Aber zum Baden werden wir noch genug Gelegenheit haben.
Beim Verlassen der Ebene kommt eine erste Flussdurchquerung. Obwohl ich geneigt bin, meine Schuhe auszuziehen, da es noch nicht danach aussieht, als würden direkt weitere Flussquerungen folgen, weiß ich ja, wie überflüssig das in den Augen Daves ist.
„Fill your boots“ ist die Devise. Ich mache mutige Schritte mit meinen Schuhen durch den Fluss. Am anderen Ufer schwimmen meine Füße in den Schuhen, Wasser quillt bei jedem Schritt heraus. Fuck, ich hätte meine Schuhe doch ausziehen sollen, wie soll das Wandern mit derart schweren, nassen Füßen Spaß machen?
„Soon it will be fine again“, sagt Dave.

Recht hat er. Bevor wir den Fossil Creek erreichen, sind meine Füße wieder in einem Zustand, indem ein unbeschwertes Wandern möglich ist.

Im Flussbett wandern weckt das abenteuerfreudige Kind in mir. Wir queren ständig den Fluss durch ein steiniges Flussbett, um am flacheren Ufer weiter zu wandern. Das gegenüberliegende Ufer ist entweder eine Felswand oder steil bewachsen, deshalb sind im mäandernden Flusslauf so viele Querungen nötig. Der Abenteuerfaktor wird dadurch erhöht, dass wir über umgefallene Baumstämme klettern oder uns darunter hindurch schieben. Manchmal heißt es auch nach geeigneten Fortsetzungen unserer Flusswanderung Ausschau zu halten, über Felsen zu klettern und eine Wasserhöhe bis zur Mitte der Oberschenkel in Kauf zu nehmen.
Ein traumhaft magisch grün schimmerndes Wasserbecken empfängt uns, als der Fossil Creek auf den Dilemma Creek trifft. Wir schauen uns an und sind uns einig. Bald jauchzen wir im kühlen leuchtenden Nass.

Wow, entfährt es mir immer wieder, als wir in der Dilemma Creek Schlucht weiterwandern. Zu beiden Seiten ragen Kalksteinwände in die Höhe, die dann noch mit Bäumen bewachsen sind. So balanciere ich auf den Steinen und schiebe meine Füße an Stellen mit starker Strömung nur so knapp über den Grund, dass ich nicht umfalle. Ich spiele mit den Kräften des Flusses und frage mich, wie lange es noch dauert, weil ich müde bin.

Bevor wir zum Zusammenfluss mit dem Foxriver kommen, werden wir von einem Wanderer mit zwei Wanderstöcken und Gamaschen überholt, der sich zielstrebig durch den Fluss schiebt. Gestartet ist er allerdings ungefähr auf halber Strecke, bei der Zufahrt durch die Bullock Creek Road.
„Yes, I’m also camping at the ballroom overhang”, sagt er.
Oh je, wie kommen wir da jetzt rüber? Bei der Querung an der Stelle, wo sich die beiden Flüsse treffen, heißt es beherzt durch die Tiefen waten.  Jetzt weiter flussaufwärts, den Foxriver entlang zum Ballroom overhang. Ich habe kleine Steine im Schuh und es geht auf fünf Uhr zu. „Mama, wie weit ist es noch?“, hätte ich als Kind mit einem klagenden Unterton gefragt. Ich entscheide mich, die Steine doch noch aus den nassen Schuhen zu fischen. Nach den ersten Schritten sehe ich Dave auf mich warten. Wir sind da!

Der Ballromm Overhang ist ein überhängender Kalksteinfelsen, der sich wie ein Bogen über einen Platz wölbt. Wir schlagen unser Zelt darunter auf. Rod hat schon als er uns überholte vom Lagerfeuer gesprochen, das er direkt entfacht. Zwei 18-jährige deutsche Mädels kämpfen mit ihrem geliehenen Zelt. Sie sind seit Oktober in ihrem Van unterwegs, Freedom Camping und Willing Worker on Organic Farms wechselt sich bei den beiden ab.
„Wenn wir mal wieder duschen wollen und eine Pause brauchen vom Herumfahren, suchen wir uns einen Platz zum Bleiben. Je nachdem wie viele Stunden wir arbeiten, bekommen wir auch etwas zu essen oder nur den Schlafplatz“, erzählt die junge Frau. „Bisher haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Das ist unser erstes Wanderabenteuer“, setzt sie noch hinzu. Der jetzige Arbeitgeber vom Nikau Retreat, hat ihnen das Zelt geliehen und sie zum Fox River Mouth gefahren. Sie wandern die lange Tour morgen. „Meist arbeiten wir bei Menschen, die viel älter sind als wir. Die haben dann oft den Impuls, wie Eltern für uns zu sorgen“.
Das wundert mich nicht, die beiden wirken eher zart und zurückhaltend und Rod gibt sein Bestes, ihnen beim Aufbauen des Zeltes zu helfen.
Rod staunt über die beiden Mädchen. „My daughter would never get the idea to go on that kind of adventure”, sagt er. Dabei ist er gefühlt schon überall gewesen. Er empfiehlt uns, die Backcountry Mahlzeiten in Plastiktüten umzufüllen und nur eine Originalverpackung als Schale mitzunehmen. „It just saves you space“. Er selbst fliegt Einsätze mit dem Rettungshubschrauber. Seit er von Christchurch an die Westküste gekommen ist, haben sie die Einsätze mehr als verdoppelt. „Some people shouldn’t be allowed to even start going out.” Er ärgert sich vor allem, wenn Überheblichkeit, Ignoranz und Dummheit die Gründe dafür sind, dass Menschen in Situationen geraten, wo sie den Rettungshubschrauber brauchen. Ich werfe noch ein, dass es manchmal vielleicht einfach fehlende Erfahrungswerte sind. Ich erinnere mich an die Nacht, als es wirklich zu stürmisch war, unser Zelt aufzubauen vor der Sign Packhorse Hut. Ich hatte einfach nur das Wetter angeschaut, ohne mir Gedanken über den Wind zu machen.

Diese Nacht ist es ruhig und als ich nachts raus muss, sehe ich neben diesem wahnsinnig funkelnden Sternenhimmel mit Milchstraße und Southern Cross auch noch Glühwürmchen im Kalksteinbogen.

Am nächsten Morgen ist alles schnell wieder eingepackt. Cowboy Coffee und Porridge wärmen uns von Innen auf, was ich gut gebrauchen kann bei dem Gedanken, dass es gleich wieder heißt: „Fill your boots“. Wir wandern durch das Flussbett zunächst zurück zur Stelle, wo der Foxriver auf den Dilemma creek trifft. Dann folgen wir weiter dem sich ausdehnenden Flussbett des Foxriver. Am Ende wird es nochmal rutschig, schlammig und matschig, während wir der Wegführung am Hang des Flussbetts folgen. Aber wir wissen ja schon, dass Rod uns einen Lift geben wird zurück zu unserem Campingplatz und daher nehmen wir die letzte Rutschpartie mit Leichtigkeit.

Protecting what we love

Eine Serie der neuseeländischen Künstlerin Marilynn Webb heißt Protection Work. Sie widmet sich den gefährdeten und bedrohten Spezies. In Neuseeland sind ungefähr 80 Prozent der Tierarten endemisch, das heißt, sie leben nur auf diesen Inseln am anderen Ende der Welt und nirgendwo sonst. Neuseeland ist vom größten Artensterben weltweit betroffen, also auch in dieser Hinsicht ein Spitzenreiter. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer ist schlicht, dass die Lebensraumnischen so spezifisch, die Anpassungsfähigkeit der Arten weniger ausgeprägt ist und der Mensch diese Nischen über wirtschaftliche Nutzung von Land zerstört hat. Ein anderer folgenschwerer Faktor ist, das Neuseeland Inseln ohne Säugetiere waren, also auch ohne Kleinraubtiere, bevor die europäischen Siedler kamen. Es gab unendlich viele besondere bodenbrütende Vögel, wie auch den Kiwi Vogel. Viele Arten sind bereits ausgestorben, wie die Formen des Moa Vogels, eine Vogelart, die mich auf den Abbildungen an den Vogelstrauß erinnert.

Auf unserer viertägigen Wanderung liegen in den Hütten Zeitschriften wie Forest &Bird und Wilderness. Ich blättere darin herum, lese Artikel über Geckos und Eidechsen. Es gibt Eidechsenforscher, die eine Eidechsen entdeckten, von denen es nur dieses eine gesichtete Exemplar gibt. Die Realität von Artensterben rückt mir plötzlich ganz nah. Wenn diese eine Eidechse auch noch verschwindet, dann gehört diese Eidechsenart der Vergangenheit an. Für immer.

Die Eidechsenforscher haben beobachtet, dass es Marder, Wiesel und Ratten auch durch die Klimaerwärmung mehr in die Bergregionen hinaufzieht und sie den seltenen Eidechsen womöglich bald ein Ende ihrer Existenz bereiten. Sie fordern mehr Anstrengungen, auch diese Lebensräume zu schützen.

Ich kann immer mehr verstehen, dass die ca. 5 Millionen Neuseeländer stolz auf die tatsächlich einzigartige Natur sind. Egal ob es nun Teil der nationalen Identität ist oder nicht, ich spüre die Einigkeit unter den Naturschützern. Es geht darum, diese Biodiversität zu schützen. Und es ist klar, was es dafür zu tun gibt:

2050: Predator free New Zealand ist ein erklärtes großes Ziel. Und auch darüber herrscht auf diesen Inseln eine große Einigkeit.

Naturschutz heißt konkret, alle Tiere umzubringen, die die endemischen Arten bedrohen. Landesweit gibt es unzählige Initiativen und Umweltorganisationen, die ausgekügelte Fallen entwickelt haben, um alle säugenden Raubtiere wie Wiesel, Marder, Ratten möglichst weitgehend zu töten.

Wie bereits ausgeführt, gab es keine Säugetiere auf diesen Inseln und ein wesentlicher Teil der endemischen Arten waren und sind bodenbrütende Vögel, angefangen vom Kiwi bis zum Takahe. Ein Paradies für die von den europäischen Siedlern eingeführten Kleinraubtiere. Leichte Beute, wo sie nur waren, so dass sie sich entsprechend schnell vermehrt haben.

Auf einer Wanderung sehen wir drei Fallen, in denen leblose Marder hängen, weil sie noch nicht wieder entsorgt und mit neuen Ködern versehen wurden. Es gibt bereits Fallen, die selbst registrieren, wenn Beute darin ist und entsprechend die Beute entsorgen und sich wieder auf automatisch startklar reinstallieren. Es gibt auch Fallen, die unterscheiden können, ob es ein Marder oder eine gechipte Katze ist. Eine andere Art des Schutzes ist, ganze Landschaften mit raubtiersicheren Zäunen zu versehen. Es gibt Reservate, in denen sich bedrohte Bodenbrüter unter natürlichen Bedingungen wieder vermehren können. Wer die Intelligenz von Tieren kennt, hat vielleicht eine Ahnung, wie diese Zäune beschaffen sein müssen, um den Raubtieren wirklich den Zugang zu verwehren, weder unter dem Zaun, noch über dem Zaun. Ich habe auch ein solches Ecosanctuary besucht und die Zäune sind schon beachtlich. Ganz frei von anderen Assoziationen an anderen Landesgrenzen bin ich nicht. Beeindruckend war es dennoch, diese seltenen Vögel, in unserem Fall ein Takahe Paar zu beobachten und zwei Kaka in den Bäumen sitzen zu sehen. Dazu braucht es wiederum Glück, denn die Vögel sind ja in dem Reservat frei.

Auf diesem Inselraum werde ich einiger Illusionen beraubt.

Die sich natürlich regelnden Jäger-Beute Zyklen, von denen ich in der Schule gelernt habe, sind hier ihrer Natürlichkeit enthoben. Hier gibt es keine Jäger-Beute Zyklen, weil die Nahrungskette eine andere war. Ohne menschliches Eingreifen bedeutet das, die einzigartigen Bodenbrüter ihrem Untergang zu weihen. Naturschutz heißt Kleinraubtiere umbringen, die endemische Arten gefährden.

Dasselbe gilt auch für die Pflanzen.

„Sycamores are the pest,“ höre ich die Nachbarn, sich über die Bemühungen in ihren Gärten austauschen. Also heißt es, diese Ahornbäume vernichten, damit die heimischen Pflanzen wieder eine Chance haben. Ganz Hänge sehen verwüstet aus, wenn wir durch die Gegend fahren. Sie sind im Zwischenstadium, um im Anschluss, wieder einheimische Arten zu pflanzen. Und gepflanzt wird überall.

Der Mensch hat ein fragiles ökologisches Gleichgewicht zerstört, ein Biotop vernichtet, in dem er Tiere und Pflanzen mitgebracht hat. Jetzt versucht er zu retten, was zu retten ist. Vielleicht ist es ein Glück, dass es einen Feind gibt, eine Aufgabe, über die Einigkeit besteht. Und vielleicht ist es der erklärte Feind, der die verschiedenen Gruppierungen über unterschiedliche Herangehensweisen hinwegsehen lässt und dadurch so viel in Bewegung setzt.

Und die Veränderungen sind hörbar – in bestimmten Regionen, wo die Predator free Aktivitäten vorangeschritten sind, lausche ich einem berauschenden Gezwitscher. Ich kann schon den Tui, den Magier unter den Vogelstimmen erkennen.

Und sichtbar sind die Anstrengungen allemal. In der Gegend um Punaikaki werden gerodete Flächen von der Organisation Conservation Volunteers New Zealand (CVNZ) seit 2008 wieder aufgeforstet. Rund 500 000 einheimischen Bäumen und Sträucher wurden gepflanzt. Da wo zuvor nur flaches ehemalig genutztes Farmland war, sind jetzt wieder wunderbare Wälder gewachsen.   

So kann ich alles gleichzeitig sehen.

Es ist möglich ein Paradies zu zerstören.

Es ist möglich, verwüstete Orte wieder in ein Paradies zu verwandeln.

Nature as an Artist

Die Schönheit der Natur zu feiern, fällt in Neuseeland nicht schwer. Aber auch im Angesicht überwältigender Landschaften will ich eine Lanze brechen für die Schönheit am Wegrand, die zufälligen Zusammenspiele von Wasser und Stein, von Stein und Holz, von Werden und Vergehen, von Blühen und Welken. Die imposanten Auftritte von gewaltigen Landschaften, deren majestätischer Gebärde wir uns nicht entziehen können, die werden ohnehin gefeiert in allen Reiseprospekten, die Neuseeland als unvergessliches Erlebnis anpreisen. Und ja, ich kann verstehen, wieso diese Naturschönheiten auf allen Instagramm Accounts der Neuseelandreisenden gepostet werden, wieso sie eine große Bühne bekommen und tausende von Menschen anziehen. Ich war bei den allermeisten nicht. Deshalb kann ich auch nichts darüber erzählen. Doch der vielgepriesene Pancake Rock, den habe ich mit allen anderen gefeiert. Immerhin.

Weil die Eindrücke, die sich ins Gewebe fortsetzen, nicht bei den überwältigenden Hotspots aufhören, weil sie vielleicht erst bei den Schritten, die sich davon entfernen beginnen, teile ich mein unaufhörliches Staunen, sobald wir uns auf die Tramps begeben haben. Was Wandern bei uns, ist Trampen bei den Neuseeländern, eine Leidenschaft, die von vielen Einheimischen geteilt wird. Am liebsten hätte ich mich ganz dem Staunen und Fotografieren hingegeben auf dem viertägigen Heaphy Track und dem zweitägigen Inland Pack Track, wie eigentlich auf allen Streifzügen auf zwei Beinen. Doch gewiss, es geht beides, mal siegt das Vorankommen, mal das Anhalten und nach einem Ausschnitt suchen, der etwas davon einfangen mag, was mich gerade so gefangen nimmt. Die Intensität des Moments, sie lässt sich selten bannen, doch etwas davon mag vielleicht hinübergleiten durch die Bilder.  

Egal ob ich die herabfallenden Kiekie Leaves als geheime Zeichen sehe, oder die vom Wasser in Jahrtausenden, wenn nicht gar Jahrmillionen in den Stein geformten Bögen und Skulpturen. Oder dieses Aufeinander, Aneinander und Ineinander wachsen der Pflanzen. Ein Baum ist nicht mehr nur ein Baum, es ist ein kreatürliches Wesen, weil sich so viele Arten dieses Lebensraumes beheimatet haben. Der Rata Baum sucht sich einen anderen Baum als Gastgeber für sein emporwachsen. Die Kiekie Schlingpflanze rankt und wuchert wiederrum am Rata Baum empor.

Je nach Feuchtigkeit sind die Bäume ganz von Moos und Flechten bewachsen. Zum Teil ist nicht erkennbar, was hinaufstrebt oder als Wurzeln der Kletterer hinunterstrebt. Manche Moose am Boden sehen wiederum wie Miniaturwälder aus. Ich stelle mir vor, wie darin für uns unsichtbare kleine Gnome und Wesen beheimatet sind. Dann noch das Sonnenlicht, welches plötzlich einzelne Blätter aus dem Schwarz aufscheinen lässt, Farne aller Art. Diese Wiederum, die mich immer auf’s neue Entzücken mit ihren Spiralen, bevor sie sich entfalten. Ich kann mir den Fibonacci Code, die mathematische Grundlage der Spiralform, bei der die nächste Spirale immer die Summe der zwei vorangegangenen Ziffern ist, in ihrer vollkommenen Ausprägung anschauen. Ich kann mich nicht sattsehen.

Und erst die Tiere. Am Strand treffe ich auf einen Shag, eine Art Kormoran. Wir stehen beide in der Nähe der heranrollenden Wellen und auf einmal verbindet uns das Wegspringen vor dem heranflutenden Wasser. Wir haben Spaß. Wir spielen das gleiche Spiel.

Oder wie kann es anders Sein, dass die Delphine, die plötzlich zu Dutzenden an der Küste entlang ziehen und deren Flossen sich in unvorhersehbaren Rhythmen an der Oberfläche zeigen, nicht aus purer Freude plötzlich in die Höhe schnellen, um sich wieder ins Wasser platschen lassen. Die ganz Übermütigen verbinden es mit einem Rückwärtssalto und manchmal wirkt es so, als würde ein und dasselbe Tier gleich zwei Rückwärtssaltos machen. Oder wenn zwei Delphine synchron Springen, als hätten sie das lange einstudiert. Noch habe ich nicht recherchiert, ob sich diese von mir als pure Bewegungsfreude gedeuteten Sprünge in eine Überlebenschoreographie einordnen lassen, die dazu dient, als Delphinrudel wiederum Fischschwärme einzukreisen, um sich im Fressen und Gefressen werden, in den Nahrungsketten des Meeres gütlich zu tun. Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass sich diese unzähligen Delphine an einer an der Küstenstraße kenntlich gemachten Zone als Meeresreservat tummeln, etwas südlich von Kaikoura.  Es braucht etwas Zeit, bis ich mich loseisen kann und wieder ins Auto setze. In meinem nächsten Leben will ich Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten. Ich will von ihnen lernen.

Das Wunder der Zuwendung

Drawing Mountains from Memories extends an invitation to our audience to get lost in their own creative process, free from instruction and interference. It celebrates and values your own expression.

Homepage of the Art Gallery in Dunedin

Ich bin in der  Art Gallery in Dunedin. Die Ausstellungen hier kosten keinen Eintritt und ich kann kommen und gehen wie ich möchte.
Es wird eine Retrospektive von Marilynn Webb (1937 – 2021) gezeigt, einer hiesigen Künstlerin.
Einige Bilder sind Landschaften, die auf Formen verdichtet sind, die etwas ganz Ornamentales für mich ausstrahlen, fast Hermetisches. Sie genügen sich selbst. Und gleichzeitig laden sich mich ein, zu verweilen, mich zu verlieren und zu fokussieren gleichzeitig. Und andere Beobachtungen am Strand zu machen und mit meinen Aufnahmen zu spielen.  

Tangata and whenua. People and Land. Die Kraft der Verbindung von Menschen und Land.
Immer wieder begegnen mir hier Himmel, Wasser, Land, Mensch. Marylinn Webb wird auch als Aktivistin und Feministin vorgestellt, die sich der Verletzlichkeit von Landschaft hingibt. Sie war eine der Pionierinnen, die den Kunstunterricht in Neuseelands Schulen gewandelt hat, hin zu etwas genuin Schöpferischen, um dem Ausdruck eines jeden Kindes Raum zu lassen.

„Kraft finden in der Umarmung der Hügel“, wird die Künstlerin zitiert.
Ja, denke ich, so fühle ich mich hier auch, wenn ich auf den Mopanui vor mir schaue, der etwas weibliches Umarmendes für mich hat, als Teil der Hügelkette in der Purakaunui Bay. Sie wirkt auf mich wie ein weiblicher Schoß. Ein aufnehmender Schoß. Ein mich aufnehmender Schoß, in dem das Wasser im Licht der Nachmittagssonne in einem hellen Türkis schillert. Heute Morgen, nachdem ich mich laufend genug aufgewärmt habe, um mich in die kalten Fluten zu stürzen, höre ich ein Schnauben, das nach genussvollem Schwimmen klingt. Ich schaue mich um und entdecke einen Seelöwen, der sich mit dem auslaufenden Wasser aufs Meer hinaus treiben lässt. Also wenn das keine Einladung ist. Auch wenn ich froh bin, dass der kräftige Gefährte außer Sichtweite ist. Heute Nachmittag läuft das Wasser gerade wieder vom Meer hinein in die Bay und beim Schwimmen spüre ich, dass die Flüsse aufwärts fließen. Ehe ich mich versehe, treibe ich in die andere Richtung ab. Da ist dieses kalte, salzige, klare Wasser, draußen der frische Wind und ich muss kräftige Schwimmzüge machen, um gegen diese Strömung des auflaufenden Meeres zu meinem Platz zurückzukehren.

Vor einigen Tagen hat Dave mir einen Klumpen Ton hingeworfen, zum Herumspielen. Also spiele ich. Eine lesende Liegende, eine eingerollte Schlafende und ein Seelöwe werden Zusehens zu Geschöpfen, die sich durch meine Hände gebären. Da wo eben nur ein Klumpen Ton war, ist jetzt einfühlen, Leben einhauchen, Ausdruck verleihen, spielen. Vielleicht nicht von Dauer, aber für den Moment des Glücks.

Da soll die Künstlerin noch einmal zu Wort kommen:

It`s nothing to do with drawing landscape, it’s to do with connection

Marylinn Webb