„This could be interesting“, sagt Dave bei seiner morgendlichen online Lektüre auf der Seite von Radio New Zealand.
BAD NEWS saves the world
the world is ending and nobody cares
On the real but not immediate danger of climate change
rnz.co.nz/national/programmes/afternoons/audio/2018927955/alice-snedden-on-the-real-but-not-immediate-danger-of-climate-change
“I don’t know who Alice Snedden is, must be some sort of Comedian”
Dave klickt auf den Beitrag.
Wow. Eine Frau, die mit ihren ausufernden Lachanfällen und selbst ironischem Humor wirklich mal etwas auf eine andere Art beiträgt. Die Schnitte zwischen ihrem Überleben in der Wildnis Kurs, ihren unkontrollierten Ausbrüchen von prustendem Gelächter und wirklich interessanten Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben, finde ich großartig.
FUCK. Ja, es ist ja auch unglaublich und zum Verzweifeln, was in dieser Welt trotz allen Realitäten, die den Klimawandel spürbar machen, passiert. Fuck. Fuck. Fuck. Es macht mich hilflos und frustriert. Und das sind nur die milden Zutaten in der wilden Mischung aus allen möglichen schwer erträglichen Gefühlen, die ich kenne, wenn ich mich einlasse. Und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass ich damit nicht allein bin. Deswegen dosiere ich das mich Einlassen auch. Und ich kann sogar verstehen, wenn Menschen lieber im weiter wie bisher Modus funktionieren. Weil es so herausfordernd ist. Weil sie ein unbeschwertes Leben wollen.
Die gute Nachricht. Für mich lohnt es sich trotzdem, mich einzulassen. FUCK.
Geholfen haben mir die vielen Menschen, die andere Wege vorleben. YES! Irgendwie habe ich dann auch neue Schritte gemacht, die weiterreichten als mein bisheriges Engagement. Ich nehme jetzt regelmäßig an einem giving circle Klimaschutz teil. Was das genau ist und wie der funktioniert, darüber schreibe ich ein andermal mehr. In diesem Zusammenhang habe ich von den Pioneers of change gehört und theweek https://www.theweek.ooo/ . Super, da konnte ich direkt etwas tun, Menschen einladen, um an drei Abenden Filme zu schauen und anschließend ins Gespräch zu kommen, sich emotional berühren lassen, ohne stecken zu bleiben. Und vor allen Dingen. Sich verbinden. Geblieben ist mir das Gefühl: Ich mache einen Unterschied, egal wie klein oder groß der ist. Deshalb. Go for it.
Und genau deshalb feiere ich alle Menschen, die den Weg in Aktionen finden und mich motivieren, dabei zu bleiben. Great Stuff Alice!
It matters
It matters who you are
It matters what you feel
It matters what you think
It matters what you contribute
It matters which version of yourself you choose to live
It matters what you do
It matters how you care
It matters where you invest your energy into
It matters what you spend your money for
It matters how you make a difference for tomorrow
It matters as you are meaningful
It matters as you create a ripple effect
It matters as your actions have an impact
It matters as life is living through you
Your life matters
Und manchmal beeindrucken mich Menschen in diesem Sinne auf ganz überraschende Weise. Dazu dieses Erlebnis.
Ich habe mich hier vor Ort nach Ateliers umgehört über einen lokalen E-Mailverteiler für Purakaunui, eine wunderbare Bucht, in der wenn es hochkommt 100 Menschen dauerhaft leben. Ich hatte direkt drei Rückmeldungen und dann nochmal zwei in der Folge.
Mein zweiter Besuch ist bei Ella, die ganz oben auf der Anhöhe wohnt. Wir haben unser Treffen nochmal verschoben, weil Ella am Samstagmorgen noch drei junge Hühner abgeholt hat. Dann also strampele ich mit Daves E-Bike den Berg hoch, weil ein Kriterium meines möglichen Ateliers die Fahrradreichweite ist. Und Berg hoch ist hier Berg hoch – als Entschuldigung, dass ich hier zur E-Bike Fahrerin mutiert bin. Ich bin besonders vorfreudig, weil es sich um einen schon in der Vergangenheit als Atelier genutzten Raum handelt. Gerade zuvor habe ich mir eine wunderschöne Anliegerwohnung angeschaut. Aber wer sich selbst kreativen Prozessen überlässt, der weiß, dass eine schöne Anliegerwohnung nicht notwendig ein geeignetes Atelier ist.
Bei Ella betrete ich einen sehr großen hohen olivgrün gestrichenen Raum, der zur Hälfte als Abstellraum genutzt wird und trotzdem sehr einladend ist. Bei den Spuren meiner Vorgänger auf dem Boden, dem riesigen Tisch an der Wand, wo zur Seite Tageslicht durch ein Fenster fällt ebenso wie durch Fenster in der Decke, macht mein Herz einen freudigen Sprung. YES, this must be the place. Ja, hier kann ich mich ganz auf meine experimentellen Prozesse einlassen, denke ich. Verfügbar an Ellas vier Arbeitstagen, das passt.
„I’m a community worker, assisting people who can’t get along alone anymore and so I deal the whole day with people. I just need my quiet space afterwards.”, erklärt sich Ella fast entschuldigend, dabei braucht es das gar nicht. Wenn ich etwas verstehen kann, dann ist es den Wunsch nach Ruhe nach der Arbeit.
“How much rent do you want?” ist noch die ungeklärte Frage, die ich jetzt stelle.
„I don’t need more money. I have everything I need.”
Ich bin überrascht. Ich bin verwirrt. Ich habe mich eingestellt auf eine Miete
“I love to go for walks around here and work in my garden. You would do me a favour if you could do some gardenwork as it gets harder with my arthritis.”
Gartenarbeit statt Geld. Taugt mir das? Es sickert. Wenn ich genug habe vom Malen, darf ich hier in diesem Garten beitragen, wo Ella vor 17 Jahren angefangen hat, ein Biotop mit einheimischen Pflanzen zu gestalten. Ja, es taugt mir.
I don’t need more money.
Ich weiß gar nicht, ob ich diese Aussage in dieser schlichten Klarheit schon gehört habe.
Es berührt mich.
Eine Frau, die sich nicht von dem mehr an Möglichkeiten durch finanzielle Mittel verführen lässt. Eine Frau, die für sich eine Antwort gefunden hat darauf, wie sie leben will, was sie dafür braucht und was sie nicht dafür braucht. Eine Frau, für die das Wachstum des Geldes auf ihrem Konto nicht attraktiv ist. Eine Frau, die zufrieden ist, mit dem was sie hat. Eine Frau, die ihre Bedürfnisse kennt und diese klar formulieren kann.
Ich wünsche mir noch mehr von Ellas Klarheit. Und ich wünsche dieser Welt, ganz viele Menschen, die ehrlich und ergreifend sagen können:
„Ich brauche nicht mehr, ich bin zufrieden.“
P.S. In der Zwischenzeit habe ich auch den nächsten von Alice Sneddens Beiträgen angeschaut, wo sie loszieht, um die Farmer zu treffen, die in Neuseeland einen großen Anteil an den Co2 Emissionen haben. Der ist auch wirklich großartig.