„That has been the best two day tramp I’ve ever made“, Dave exclaimed after we reached Fox Mouth the second day and finished our two day tramp.
“Finally I experienced the famous River Crossings in New Zealand “, has been my comment.
44 Flussdurchquerungen waren es genau, versichert uns Sue an der Rezeption des Camping Platzes, als wir wieder einchecken.
Doch jetzt fange ich von vorne an zu erzählen von unserer zweitägigen Wanderung.
Der Inland Pack Track startet auf einem Wanderparkplatz ganz in der Nähe von Punakaki, an der Nordwestküste der Südinsel Neuseelands. Empfohlen nur für erfahrene Wanderer, die vor allem Ahnung haben, was es heißt, Flüsse zu durchqueren. Bei den an der Westküste starken Regenfälle schwellen die Flüsse schnell an und werden zu reißenden Läufen, unpassierbar für Wanderer. Deshalb sind tragische Unfälle von Wanderern auch weniger die, bei denen Menschen abstürzen, als die, bei denen Menschen bei Flussdurchquerungen stürzen und zu Tode kommen. Also die Warnungen sind nicht umsonst und der Track eignet sich nur, wenn es einige Tage nicht geregnet hat und das Wetter stabil ist.
Uns gönnen die Wettergötter die Wanderung und wir können wie angedacht starten. Die Wanderzeit am ersten Tag beträgt laut Info ca. 8 Stunden, am zweiten Tag nur noch 2,5 Stunden.
Wir haben unser Zelt im Gepäck, sowie genug zu essen, den Kocher, Schlafsäcke und Isomatten.
Kleiner Exkurs zu Wanderungen in Neuseeland.
Mehrtageswanderungen gibt es viele, doch unterscheiden sie sich in vieler Hinsicht von Hüttentouren in den Alpen. Hier sind Backcountry Wanderer auf eigenes Essen angewiesen, da keine der Hütten eine Infrastruktur hat, wie wir das in den Alpen gewohnt sind. Die Hütten sind einfache Schutzhütten. Es reicht von einer Feuerstelle, Plumsklo und Wasserhahn mit unbehandeltem Wasser bis zu Hütten mit Gasherden und Toiletten mit Wasserspülung. Bei den sogenannten Great Walks, den als schönsten Mehrtageswanderung vermarkteten Touren, ist der Standard eher mit Gasherd und Toiletten mit Wasserspülung. Da bleiben die nicht ganz Outdoor affinen Menschen ohne vollständige Ausrüstung in ihrer Comfort Zone. Das ist sicher auch der Grund, warum die Great Walks unmittelbar nach der saisonalen Freischaltung der Hütten ausgebucht sind. Aber es gibt auch Websites, die frei gewordene Plätze (dies gilt bei den Great Walks auch für Zeltplätze) wieder an Interessenten weiterleiten.
Da Wandern ein Markt ist, gibt es eine große Auswahl an Backcountry Mahlzeiten, die nur mit Wasser aufgegossen werden, direkt in die Verpackung, die sich als Essensschale eignet. Als erschöpfte Wanderin bin ich dann rundum mit Nährstoffen im schmackhaften Curry, Turkish Fallafel oder Peri Peri versorgt. Auch Frühstücksbreis sind im Back Country Angebot.
In unseren Rucksäcken ist neben Back Country Mahlzeiten unsere eigene Müslimischung. Tagsüber gibt es Thunfisch auf Cracker. Konzentriertes Eiweiß und leichte Kohlenhydrate. Das hat sich bewährt. Den Kaffee gießen wir als Cowboy Kaffee auf, die gemahlenen Bohnen rühren wir um und warten, bis sich das Pulver gesetzt hat. Funktioniert hervorragend.
Zurück zu unserem Inland Pack Track, der übrigens nur einen Zeltplatz mit Plumsklo als Übernachtungsmöglichkeit anbietet.
Wir beschließen dem Pororari River Track als Einstieg zu folgen. Da der Inland Pack Track kein Rundweg ist, sind wir auf Mitfahrgelegenheiten für die Rückkehr zum Ausgangspunkt angewiesen. So macht es allemal Sinn, direkt an der Durchgangsstraße zu starten.
Es ist noch früh am Morgen und der Weg im Flusstal des Pororari Rivers wirkt verwunschen. Ein Flusstal mit Farnbäumen und Palmen zwischen Kalksteinfelsen. Der heimische Busch und Wald entzückt mich immer wieder aufs Neue. Ich bleibe stehen, schaue, fotografiere. Andere Wanderer sind noch nicht unterwegs. Nach etwa einer Stunde überqueren wir den Pororari River auf einer Brücke und kommen nach einer weiteren Stunde zur Abzweigung zu den Cave Creek.
Eine unprofessionell gebaute Aussichtsplattform hat 1995 zu einem tragischen Unglück geführt. Auf einer Exkursion füllte sich die Plattform mit Studierenden, brach zusammen und 14 Menschen starben beim Sturz 49 Meter in die Tiefe. Fotos erinnern an der Abzweigung an die Verstorbenen. Da noch ein langer Tag vor uns liegt, entscheiden wir uns dagegen, die Wanderung um 1,5 Stunden zu verlängern.
Wir verlassen das Flusstal und kommen durch ein Sumpfland, wo gerade von den CVNZ (https://conservationvolunteers.co.nz/New Zealand Conservation Volunteers), eine weitere Wiederaufforstung im Gange ist. Die Organisation hat in dieser Region seit 2008 schon 500 000 einheimische Bäume wieder angepflanzt. Gestern haben wir mit Genna, einer Mitarbeiterin von NZCV gesprochen, die uns auf der Karte das Gebiet gezeigt hat. Im ganz sumpfigen Bereich, erholt sich die Natur von selbst. In den Bereichen, die von Farmern trocken gelegt wurden, wird gepflanzt. Hier sehen wir die neu gepflanzten Bäume, die noch mit weißen Zylindern versehen vor den Tieren geschützt werden. Genna empfahl uns auch ein sinkhole, eine Stelle, wo der Fluss in den Boden eintritt und unterirdisch weiter fließt. Wir halten danach Ausschau und fallen in Löcher, die mit Gras überwachsen sind bei unseren Versuchen, ans Flussufer zu kommen. So ganz nach der von Genna beschriebenen Stelle sieht es nicht aus, aber wir bleiben dennoch für unsere Mittagspause.
„Ah, that’s the place Genna described“, sagt Dave, als wir ein paar Minuten unseren Weg fortgesetzt haben. „I thought it didn’t look like the place Genna was talking about. Especially as she said, you can’t miss it“. Eine wunderschöne Badestelle, mit Felsen und einladendem Wasser. Aber zum Baden werden wir noch genug Gelegenheit haben.
Beim Verlassen der Ebene kommt eine erste Flussdurchquerung. Obwohl ich geneigt bin, meine Schuhe auszuziehen, da es noch nicht danach aussieht, als würden direkt weitere Flussquerungen folgen, weiß ich ja, wie überflüssig das in den Augen Daves ist.
„Fill your boots“ ist die Devise. Ich mache mutige Schritte mit meinen Schuhen durch den Fluss. Am anderen Ufer schwimmen meine Füße in den Schuhen, Wasser quillt bei jedem Schritt heraus. Fuck, ich hätte meine Schuhe doch ausziehen sollen, wie soll das Wandern mit derart schweren, nassen Füßen Spaß machen?
„Soon it will be fine again“, sagt Dave.
Recht hat er. Bevor wir den Fossil Creek erreichen, sind meine Füße wieder in einem Zustand, indem ein unbeschwertes Wandern möglich ist.
Im Flussbett wandern weckt das abenteuerfreudige Kind in mir. Wir queren ständig den Fluss durch ein steiniges Flussbett, um am flacheren Ufer weiter zu wandern. Das gegenüberliegende Ufer ist entweder eine Felswand oder steil bewachsen, deshalb sind im mäandernden Flusslauf so viele Querungen nötig. Der Abenteuerfaktor wird dadurch erhöht, dass wir über umgefallene Baumstämme klettern oder uns darunter hindurch schieben. Manchmal heißt es auch nach geeigneten Fortsetzungen unserer Flusswanderung Ausschau zu halten, über Felsen zu klettern und eine Wasserhöhe bis zur Mitte der Oberschenkel in Kauf zu nehmen.
Ein traumhaft magisch grün schimmerndes Wasserbecken empfängt uns, als der Fossil Creek auf den Dilemma Creek trifft. Wir schauen uns an und sind uns einig. Bald jauchzen wir im kühlen leuchtenden Nass.
Wow, entfährt es mir immer wieder, als wir in der Dilemma Creek Schlucht weiterwandern. Zu beiden Seiten ragen Kalksteinwände in die Höhe, die dann noch mit Bäumen bewachsen sind. So balanciere ich auf den Steinen und schiebe meine Füße an Stellen mit starker Strömung nur so knapp über den Grund, dass ich nicht umfalle. Ich spiele mit den Kräften des Flusses und frage mich, wie lange es noch dauert, weil ich müde bin.
Bevor wir zum Zusammenfluss mit dem Foxriver kommen, werden wir von einem Wanderer mit zwei Wanderstöcken und Gamaschen überholt, der sich zielstrebig durch den Fluss schiebt. Gestartet ist er allerdings ungefähr auf halber Strecke, bei der Zufahrt durch die Bullock Creek Road.
„Yes, I’m also camping at the ballroom overhang”, sagt er.
Oh je, wie kommen wir da jetzt rüber? Bei der Querung an der Stelle, wo sich die beiden Flüsse treffen, heißt es beherzt durch die Tiefen waten. Jetzt weiter flussaufwärts, den Foxriver entlang zum Ballroom overhang. Ich habe kleine Steine im Schuh und es geht auf fünf Uhr zu. „Mama, wie weit ist es noch?“, hätte ich als Kind mit einem klagenden Unterton gefragt. Ich entscheide mich, die Steine doch noch aus den nassen Schuhen zu fischen. Nach den ersten Schritten sehe ich Dave auf mich warten. Wir sind da!
Der Ballromm Overhang ist ein überhängender Kalksteinfelsen, der sich wie ein Bogen über einen Platz wölbt. Wir schlagen unser Zelt darunter auf. Rod hat schon als er uns überholte vom Lagerfeuer gesprochen, das er direkt entfacht. Zwei 18-jährige deutsche Mädels kämpfen mit ihrem geliehenen Zelt. Sie sind seit Oktober in ihrem Van unterwegs, Freedom Camping und Willing Worker on Organic Farms wechselt sich bei den beiden ab.
„Wenn wir mal wieder duschen wollen und eine Pause brauchen vom Herumfahren, suchen wir uns einen Platz zum Bleiben. Je nachdem wie viele Stunden wir arbeiten, bekommen wir auch etwas zu essen oder nur den Schlafplatz“, erzählt die junge Frau. „Bisher haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Das ist unser erstes Wanderabenteuer“, setzt sie noch hinzu. Der jetzige Arbeitgeber vom Nikau Retreat, hat ihnen das Zelt geliehen und sie zum Fox River Mouth gefahren. Sie wandern die lange Tour morgen. „Meist arbeiten wir bei Menschen, die viel älter sind als wir. Die haben dann oft den Impuls, wie Eltern für uns zu sorgen“.
Das wundert mich nicht, die beiden wirken eher zart und zurückhaltend und Rod gibt sein Bestes, ihnen beim Aufbauen des Zeltes zu helfen.
Rod staunt über die beiden Mädchen. „My daughter would never get the idea to go on that kind of adventure”, sagt er. Dabei ist er gefühlt schon überall gewesen. Er empfiehlt uns, die Backcountry Mahlzeiten in Plastiktüten umzufüllen und nur eine Originalverpackung als Schale mitzunehmen. „It just saves you space“. Er selbst fliegt Einsätze mit dem Rettungshubschrauber. Seit er von Christchurch an die Westküste gekommen ist, haben sie die Einsätze mehr als verdoppelt. „Some people shouldn’t be allowed to even start going out.” Er ärgert sich vor allem, wenn Überheblichkeit, Ignoranz und Dummheit die Gründe dafür sind, dass Menschen in Situationen geraten, wo sie den Rettungshubschrauber brauchen. Ich werfe noch ein, dass es manchmal vielleicht einfach fehlende Erfahrungswerte sind. Ich erinnere mich an die Nacht, als es wirklich zu stürmisch war, unser Zelt aufzubauen vor der Sign Packhorse Hut. Ich hatte einfach nur das Wetter angeschaut, ohne mir Gedanken über den Wind zu machen.
Diese Nacht ist es ruhig und als ich nachts raus muss, sehe ich neben diesem wahnsinnig funkelnden Sternenhimmel mit Milchstraße und Southern Cross auch noch Glühwürmchen im Kalksteinbogen.
Am nächsten Morgen ist alles schnell wieder eingepackt. Cowboy Coffee und Porridge wärmen uns von Innen auf, was ich gut gebrauchen kann bei dem Gedanken, dass es gleich wieder heißt: „Fill your boots“. Wir wandern durch das Flussbett zunächst zurück zur Stelle, wo der Foxriver auf den Dilemma creek trifft. Dann folgen wir weiter dem sich ausdehnenden Flussbett des Foxriver. Am Ende wird es nochmal rutschig, schlammig und matschig, während wir der Wegführung am Hang des Flussbetts folgen. Aber wir wissen ja schon, dass Rod uns einen Lift geben wird zurück zu unserem Campingplatz und daher nehmen wir die letzte Rutschpartie mit Leichtigkeit.







